Full text: Streiflichter auf das wirtschaftliche, geistige und gesellige Leben Kassels (Band 2)

Säbel, Pulverhörner, Pistolen, Trinkhörner und dergl. Alles in allem 
machte die Stube mehr den Eindruck eines Museums, als den einer 
Bierstube 11 . 
So sah ich die Ausstattung noch, allerdings in etwas veränderter 
Anordnung,in dem Hause der früheren Losch 1 sehen Brauerei am Karls 
platz, wohin die Pvunzel für die stark angewachsene Anhängerschaft 
nu.3 der längst zu klein gewordenen Hinterstube bei Rampf in der 
Wilhelmstrasse im Jahre 1896 übergesiedelt war. 
Will man durchaus nach einem Vorbild für diese Vereinigung, die ur 
sprünglich den Zweck geselligen Künstlerlebens verfolgte, suchen, 
so könnte man - natürlich mit weitem Abstand hinsichtlich der äusseres 
Repräsentation - an den Malkasten in Düsseldorf,-aber sagen wir dann, 
an einen Malkasten allerkleinsten Formats - denken. 
In der Pvunzel, die ihre Blütezeit vor der Jahrhundertwende, aber 
auch noch teilweise in der Vorkriegszeit hatte, habe ich beinahe 
15 Jahre - allerdings immer wieder mit grossen Unterbrechungen - als 
Gast geweilt, und noch heute ist mit ungeminderter Vorstellungskraft 
die Erinnerung an diesen höchst originellen KünstlerStammtisch in 
mir wach. Meistens kehrte ich natürlich in dem im Sommer 19o2 nach 
der Wirtschaft Schaub 1 s Garten in der Wolfsschlucht verlegten und 
neu eingerichteten Klublokal der Pvunzel ein. Bald nach meiner Über 
siedlung nach Kassel (1899) besuchte mich mein Bruder, und in seiner 
Eigenschaft als Sänger hatte dieser begreiflicherweise Interesse 
daran, mit einflussreichen Musikern Fühlung zu gewinnen. Durch mei 
nen Bruder machte ich dann auch bald die mir ausserst wertvolle Be 
kanntschaft des Musiklehrers, Komponisten und Schriftstellers Johann 
Lewalter, und dieser als einer der prominentesten Pvunzelbürger 
führte meinen Bruder und mich alsbald als Gäste in die Pvunzel ein. 
Dieses ungeschriebene Recht stand schliesslich jedem Pvunzelbürger zu 
Ob man als häufig erscheinender Gast auch willkommen war, das merkte 
man bald daran, wie man aufgenommen wurde. Im Laufe der vielen Jahre 
kam ich in der Pvunzel mit Künstlern und Männern aller Berufe und 
Stände in Berührung. An Zahl waren eigentlich die richtigen Pvunzel 
bürger, die man immer wieder auch an weniger gut besuchten Abenden 
antraf, verhältnismässig gering. Gross dagegen war der Kreis, der 
häufig und nur gelegentlich erscheinenden Gäste, die gern immer wie 
der den Weg zur Pvunzel fanden, wo neben allen Geselligkeitsfreuden 
auch fast stets sich Gelegenheit zu anregender Unterhaltung bot. 
Oft wurde dort recht temperamentvoll über alle möglichen Tagesfra 
gen und Themen diskutiert, es wurden künstlerische Probleme jeder Art 
erörtert, es wurde gesungen, musiziert und eine Geselligkeit ge 
pflegt, die oft auch in die ausgelassenste Stimmung überging. Ge 
stalten, von denen viele leider nicht mehr auf dieser Erde wandeln, 
kamen und gingen. Wie sie in meiner Erinnerung aufsteigen, lasse 
ich sie hier vorüberziehen, und lasse selbstverständlich den bilden 
den Künstlern, von denen einst die Gründung der Pvunzel ausging und 
die ihr durch ihre ständigen Beiträge mit Stift und Pinsel, wie mit 
ihrer beweglichen Phantasie das eigenartige Gepräge liehen, den Vor 
tritt s 
Für die ältere Generation sind es alles bekannte Namen. Da waren in 
erster Linie die Maler Walter Merkel, Ferd Koch, Giebel, Prof.Koch, 
Wilhelm Thielmann, Prof. Karl Wünnenberg, Arno Weber, Mathäei, Julius 
Hellner, Prof. Zimmer, Prof. Kolitz, Hermann Metz, Adolf Wagner, 
Adolf Lins, Hochapfel, Prof. Eduard Schick, und andere mehr; die 
Baukunst war vertreten durch Architekt Holk, Baurat Rose,, den Er 
bauer des Kasseler Rathauses Karl Roth, den Architekt der Kasseler 
Stadthalle Hummel. Auch Thalia und Polyhymnic. entboten ihre Jünger.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.