Full text: Meine Kasseler Zeit (Band 1)

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In der *eme winken Thüringens Berge herüber . Bei guter Sicht fei 
len sogar die n arzberge und der Brocken in das Gesichtsfeld . Folgt 
aber der Blick dem Silberband der Werra , dann entdeckt das Auge auch 
den Eh^tein , den Ludwigsstein die f Peuf elskanzel sowie den Meissner 
und für eine empfängliche Seele gewinnt dann das bestrickende Land- 
schaftsbild noch unendlich mehr an Reis . 
Den hohen SLisJöner habe ich nur einmal bestiegen und die schönen Fem- 
sichten von dem alten Gasthause Schwalbenthal und von der ^albe genos 
sen * Kommt man wie ich damals vom KaufungerMl4 her/dann findet man 4 
den Anstieg ziemlich reizlos , wie überhaupt der Meissner mich mit sei 
nein vielfach kahlem Kamme ziemlich enttäuschte . Malerischer soll 
schon der Weg sein , wenn man zum Meissner vom Werrathal bei Albungo-xi 
durch das HÖllenthol seinen Aufstieg nimmt , welchen Weg ich damals 
allerdings hinabgestiegen bin. Welche Fülle wahrhaft zaubrischer Rei 
ze bergen aber die von Kassel so leicht erreichbaren Fulda — Werra und 
Weserlandschaften I Unserer heutigen paddelnden Jugend sind jo die 
deutschen Flussläufe viel bekannter geworden als d er älteren General 
tion und ihr enthüllt man nichts ^euee , wenn man zum Lobe dieser 
Landschaften Preislieder anstimmt . Die Schönheiten des Rheines>der 
grossen völkerverbindendenVerkehrsstrasse , sind weltbekannt ,nicht 
minder kennt der Tourist das an abwechselnden Bildern so einfallsrei 
che Thal des Neckar., das sonnige Thal der Mosel und das elegisch vei\ 
träumte Thal der Bahn 9 aber weltverloren , ja fast noch uncrschlossen 
im Vergleich zu diesen Flussthälern > dünken mir die intimen Schönheiten 
der Fulda und Werra > während die Weserlandschaft schon jahrzehntelang 
durch^die regelmässigen von Hann. Münden ausgehenden Dampferfahrten 
eine Menge gaturfreunde anlockt . Viele geben trotz der teilweisen 
b’rossArtigkeit der Rheinlandschaft der intimeren Weserlandschaft so 
gar den Vorzug . Hier bei der Weser ist auf der Strecke von Hann.Mün- 
den bis Hameln das Thal enger . Die ^ergwälder reichen grösstenteils 
bis aß den Fluss heran und so entstehen oft Bilder von grösserer Lieb 
lichkeit ^als sie selbst der grandiose Rhein zu bieten vermag . Wer 
ber von Kassel aus die gergwälder der grossen Forsten des Kaufunger 
waldes , Reinhardswaldes , der Söhre , des Quillers , des Bramwaldes 
und des Solling durchstreift , wird häufig genug , wenn er an die 
nach den Flusstälern abfallenden Ränder und Hänge gelangt , stets auf <• 
die anmutigsten und entzückendsten Landschaftsbilder , welche die durcJ 
enge oder weite Thalmulden sich hinschlängelnden Flussläufe der Fuld 
Werra und Weser ^arbeiten . stossen . Schon in seinem Teile oberhalb 
Kassel bietet das Fuldathal einige landschaftliche Höhepunkte , die 
man erst richtig würdigt , 'wenn man sie^von den Höhen auf das stille 
Flussthal herabblickend , wahrnimmt . -Dabei denke ich hauptsächlich 
an die beiden grossen Schleifen , die die Fulda zwischen Melsungen und 
Guxhagen , insbesondere bei Büchenwerraam Quiller und zwischen Denn 
hausen und erghausen , auf v^elch*letztere SchlMfe ich 3chon vorhin 
hinwies ,bildet • Hier gehen auch die bewaldeten ^erghänge wieder bis 
an den Flusslauf heran und schaffen auf diese Weibe reizende Bilder , 
aber grossartiger mutet schon die Flusslandschaft unterhalb Kassel 
auf der Strecke zwisdhen Wolfsanger und Münden an/die mir in mei 
nen ersten Kasseler Jahren durch die Ruderfahrten so vertraut geworden 
ist , Aber auch von der gergsemte her habe ich hier in mannigfaltigen 
Aussichten das Flussbild genossen und immer überaus reizvoll ‘ n än , 
ob man nun über den Lutterberg auf Hann* Münden zuwandert oöeiiob man 
den Blick von der Zuschlagsruhe im Schockethal auf die grosse Fulda— 
schleife bei Wahnhausen hinochwei en lässt . Ihren Kulminations^punkt 
erreicht aber die landschaftliche Schönheit des Fuldaflussbilde© erst 
wenn man sich de.^n wirklich herrlich gelegenen Hann. Münden nähert 
Umkränzt von den schönsten Bergwäldem und sozusagen von Fulda und Wer— 
ra .die sich unterhalb! der Stadt zum Weserstrom vereinigen , umgriffen 
gehört Hann. Münden sicherlich zu den schönstgelegenen Plätzen Nord 
deutschlands • Schon wer mit der Eisenbahn durchfährt , gerät in hellem 
Entzücken , wenn sein Blick 
über die Stadt
	        

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