Full text: Meine Kasseler Zeit (Band 1)

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sind fest alle diese Wege eingesäumt . Ausserdem führen nach oben 
sich wölbende L ÖU bengänge durch den Garten , io dessen Mitte ein 
Springbrunnen mit antiken Statuen und Ruhebänken sich befinden . 
Vom Rande des Burggartens geniesst man einen prächtigen Blick auf 
die Burg Selbstlauf einen Teil des Parks mit der Kuppel des Schlo; 
oes und auf die Berge in d6r weiten Perne. Die geschützte Lage de* 
Burggartens erlaubt selbst in den kühleren Jahreszeiten bei einig« 
maßen sonnigen Wetter dort K ast zu halten . Betrachtet man alte ' 
Stiche und Zeichnung© . , auf denen die Parkanlagen , wie sie in 
langst vergangenen Zeiten aussahen , abgebildet sind , dann v.'irkei 
die uns heute so vertrauten Parkszenerien mit den verschiedenen 
Baulichkeiten in ganz anderer Art . Letzterekamen fraglos mehr zv 
Geltung und passten sich besser dem Landschaftsrahmen an , weil 
les noch viel lichter war, aber nachdem die einstigen Neuanpflan 
zungen sich mächtig entwickelt haben , tritt die frühereParkidyll: 
vor der grossartigen Hochwaldnatur mehr zurück^ind manchmal kann 
man sich nicht ganz der Ansicht verschliessen , dass heute noch v: 
les sozusagen als Theaterkulisse wirkt . Im Wechsel der Zeiten war" 
delt sich eben der Geschmack und mit ihm je er Stil , auch der 
Garten - und Parkstil . Von all den zahllosen Ausstattungsbauten 
und teilweise theatralisch wirkenden Herrlichkeiten , die am Ende 
des 18 ten Jahrhunderts unter dem Einfluss der klassischen , ro 
mantischen und sogar orientalischen Anwandlungen , von denenfcLns- 
besondere der Landgraf Friedrich II. beherrscht war ,*zum Schmuk- 
ke des 7/ilhelmshöher Parkes dienten , sind nur noch der Psgode> 
das Felseneck , die Pyramide des Cestius , das Grabmal des Virgil, 
eie Eremitage des Sokrates - das heutige Birkenhäuschen - der Brur 
nen amJMarstall, die Sibyllengrotte , die Pluto - und Neptunsgiot- 
te übriggeblieben . Welchen Eindruck das Schloss , insbesondere 
aber der Park in der Ausgestaltung , wie der letztere sie am Auö*~ 
gange des 18 ten Jahrhunderts gefunden hatte , bei einer Autorin 
tat der Kunstgeschichte jener Zeit dem Prof . Kirschfeld in Kiel 
hervorrief , kommt in einer Würdigung desselben vom Jahre 1785 
sehr treffend zum Ausdruck : .... " Eine grosse Mannigfaltigkeit 
von Auftritten , die Schöpfung einer fruchtbaren Einbildungskraft 
- so schreibt Hirschfeld - bricht hier auf allen Seiten hervor • 
Man hat die Zeiten des Homer und Virgil zurückgeführt , eine Men 
ge von Vorstellungen der alten Weit ist in Statuen und Gemälden 
erneuert . Lie Fabeln der Lichter sind in täuschenden Gestalten 
wieder aufgestellt . Götter der ersten Grösse und Halbgötter woh 
nen hier unter den Sterblichen und neben den elysäischen Feldern 
hat auch Pluto sein Reich mit allen seinen Ungeheuern eröffnet . 
Den Göttern sind hier Tempel , den Philosophen Griechenlands Ein 
siedeleien und selbst c[en Zauberinnen Höhlen erbauet .Man hat 
nicht bloss das u rabmal des Virgil erneuert , man ist selbst in 
die grauen Jahrhunderte der Pyramiden Aegyptens zurückgestiegen , 
Noch mehr ! Man glaubt selbst aus den Ronanen der Ritterzeiten } 
aus den Gerichten des Tasso schöpfen zu dürfen und Armide hat 
hi r nicht allein ihren Palast , sondern auch ihre Gärten wieder 
gefunden . Noch nicht genug! Der Türke erblickt hier sffiine Mo 
schee und der Chinese seinen Pagoden und sein Dorf " 
Die deutschen Fürsten des 17ten und 18 ten Jahrhunderts , derem 
Souvernitätsgefuhl in der Schöpfung prächtiger Residenzen inren 
sichtbarsten Ausdruck fand, sahen zumeist im Versailler Schl > 
und dessen Park der bekanntlich den grossen Gartenkunst1er 
Le Nötre zum Schöpfer hatten , das nachahmenswerteste Vorbild * 
Le Not re * s Ruf drang bald über den Rhein und von ihm v/ie von sei 
nen Schülern sind auch die schönsten und bekanntesten deutschen 
Parkanlagen , die sich ganz an den Versailler Park anlehnten , ge 
schaffen worden wie z,B,Sanssouci bei Potsdam und Herrenhausen 
in Hannover,ferner Schv/etzingen bei Mannheim« In Wilhelmshöhe 
findet sich eigentlich in der Bergarchitectur , in den Schmuck -
	        

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