Full text: Festschrift zum Deutschen Tag in Kassel am 31. Mai bis 1. Juni 1924

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hat der Dichter das Hakenkreuz, die alte Sonnenrune, gesetzt, dies 
Zeichen scheint mich immer wieder in Bann zu schlagen»- aus ihm und 
aus den Dichterworten leuchtet das Volkstum. 3rt „Dahinten in der 
Heide" dagegen trägt jeder neue Abschnitt als Überschrift einen Vogel 
namen:' heidesang perlt hervor und in ihm stärkstes Volkstum. Die 
beiden Männer der Romane jedoch, Göde hehlmann und Lüder Volk 
mann, sind Gestalten, wie Dürer sie zeichnete: aufrecht wie der Ritter 
zwischen Tod und Teufel. 
So werde ich wieder an das Wort von den ungeduckten Nacken er 
innert. Dies gilt aber besonders für den Roman „Der Wehrwolf". Zu 
Rnfang des Weltkrieges hat der Dichter dies Buch sein Rriegslied ge 
nannt. von Kerlen, wie die Bäume, mit Händen, wie Bärenpfoten, die 
aber doch allewege lachen, ist darin die Rede. 
Rus Urvolkstum ersteht der erste Rbschnitt dieses Buches. „Im 
Rnfang war es wüst und leer in der Heide, der Rdler führte das große 
Wort über Tage, und bei Nacht hatte es der Uhu,- Bär und Wolf waren 
Herren im Lande und hatten Macht über jegliches Getier." hohes 
Dichtertum quillt aus diesen volkgewachsenen Tönen herber Urmusik. 
Die Wehrwölfe sind im gerechten Kampfe gegen das Raubgesindel, 
das während des dreißigjährigen Krieges die Heide sengend und bren 
nend durchzieht. „Besser fremdes Blut am Messer, als ein fremdes Messer 
im eigenen Blut." Dies Wort klingt gerade so wie das, das der Dichter 
seinem Zreunde pilf als Widmung ins Wehrwolfbuch schrieb: 
„Lin pfui dem Mann, 
Der sich nicht wehren kann,- 
Not kennt kein Gebot 
Rls das: Slah dot, slah dot!" 
Harm Wulf und seine Wehrwölfe sind Menschen wie Göde und 
Lüder: sie haben Nacken und Rückgrat, blonde haare und blaue 
Rügen und finden immer ihren Zrohmut wieder. 
Das letzte Lrzählungsbuch des Dichters ist „Das zweite Gesicht." 
Ich stelle diesen Roman als Dichtwerk über den „Wehrwolf". Er ist 
schwer zu verstehen — und jemand, der ihn ein verrücktes Buch 
nannte, ließ ich stehn und redete nicht mehr mit ihm. Löns hat Recht, 
wenn er sagt: „Wer dieses Buch nicht versteht, der hat sich das selber 
zuzuschreiben." 
Die Brennhexe tanzt über das Moor in ihrem feuerroten Rock, der 
gelben Schürze und den schwarzen Bändern an der goldenen Haube. 
Rus diesem vorspuk kommt der Leser zu Hagenrieder-Löns, dem Maler-
	        

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