Full text: Festschrift zum Deutschen Tag in Kassel am 31. Mai bis 1. Juni 1924

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ihm die (Eltcrti als deutschestes Geschenk in die wiege gelegt hatten. 
„Da war ich bewußt das, was ich unbewußt immer gewesen war, 
Niedersachse." 
Aus diesem Niedersachsentum erwuchsen des Dichters Werke. Ohne 
bewußtes wollen empfingen sie als höchste weihe das in der Dichterseele 
geläuterte Volkstum. „Alles was an meinen Dichtungen, sei es Vers, 
sei es Prosa, gut ist, steht außerhalb meines äußeren wollens." 
Landhunger, heidhunger, Heißhunger nach den heidbauern ließen 
den „letzten hansbur" entstehen. (Es war dem Dichter, als hätte ihm 
jemand den Noman über die Schulter diktiert. In zwölf Tagen ent 
stand er, in fast gleichlanger Zeit der nächste „Da hinten in der 
Heide". Außere Lebensumstände trieben den Dichter zum Schreiben — 
treiben den Dichter wohl immer zum Schaffen. Und hier mögen deshalb 
die letzten Lätze seiner Selbstbiographie stehen, die sich auf jene beiden 
Romane beziehen: . . . „und die geduckten Nacken mögen wohl daran 
schuld gewesen sein, daß es mich danach hungerte, wirkliche Männer 
hinzustellen. Anders kann ich es mir nicht erklären." 
Im „Braunen Buch" aber steht die Erzählung von der „roten 
Beeke" — das ist die Geschichte von Karl dem Großen, der bei Verden 
an der Aller viertausendfünfhundert freie Lachsenmänner abschlachten 
ließ. 
„viertausendfünfhundert Witwen und Bräute weinen heute im Lande 
. . . viertausendfünfhundert Männerherzen stehen still. Neuntausend 
blaue Augen brechen. . . ." 
heute wissen wir, was dies Blutbad von Verden für unsere völkische 
Kultur bedeutete. Sie wurde latinisiert, fast völlig vernichtet' karolin 
gische Renaissance sagt man in der Wissenschaft dazu. 
Und der überkluge Herr Walter Rathenau hatte für 1918 auch 
einen Bruch mit der deutschen Vergangenheit vorgeschlagen. Ja, gewiß, 
noch einmal so wie damals in Verden und in den Jahren danach, und 
uns wäre alles völkische Mark aus den Knochen verschwunden. Das- 
könnte euch Herrschaften von Mammons und Judas Gnaden passen. 
Eine scharfe schimmernde Waffe zum Schutze des deutschen Schrift* 
tums nennt des Dichters Freund Traugott pilf besonders das „Braune 
Buch". Aber es ist auch eine scharfe schimmernde Waffe für das Deutsch-- 
tum wie alle anderen Bücher des Dichters. 
wenn ich einen der beiden oben genannten Romane in die Hand 
nehme, so komme ich ins Lesen hinein und lese immer wieder, was ich. 
schon so oft gelesen habe. Unter jedes Kapitel des „letzten hansbur^
	        

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