Full text: Festschrift zum Deutschen Tag in Kassel am 31. Mai bis 1. Juni 1924

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mit Liebe am Messias und der Matthäuspassion, an Wagner und 
Brahms, Beethoven und Bruckner. Vas engt naturgemäß den Horizont 
des ganzen Konzertlebens ein, trotzdem Kassel in Robert Laugs einen 
temperamentvollen ungestümen und impulsiven Feuerkops und Gefühls 
musiker besitzt, der gern alle Energien zusammenreißen und vorwärts 
stoßen möchte zu willenskräftigem Huftrieb, und mit und neben ihm 
so manche tüchtigen großen und kleinen Talente aller möglichen musi 
kalischen Schattierungen, vom jüngsten Pianistenanfänger bis zum ehr 
würdigen Konservatoriumsdirektor, unermüdlich wirken. 
Vas äußere Bild ist trotzdem immer noch reich und bunt genug für 
eine Provinzstadt, die Kassel nun einmal ist, wenn es auch ehemals 
kurfürstlicher Musensitz und kaiserliche sommerliche Nebenresidenz war. 
Im Spielplan des Staatstheaters nimmt die Gper einen sehr breiten 
Baum ein und erfreut sich noch immer der ungeschwächten Gunst der 
Kasselaner, während die Stammkonzerte der Staatlichen Kapelle etwas 
von ihrem Nimbus eingebüßt haben, seit sie aus dem Theater, wo sie 
seit Spohrs Tagen über ein Jahrhundert lang erklungen waren, in die 
weiträumige Stadthalle übersiedeln mußten, vie von der Intendantur 
durchgesetzte teilweise Rückverlegung ins Theater hat leider bis heute 
keine günstigen Resultate erzielt. Vie treffliche Kapelle hat in den 
mühvollen Tagen des letzten Tonkünstlerfestes vor der gesamten deut 
schen Presse in Ehren bestanden. 
Für Kammermusik und Solistenkonzerte sorgten die verschiedenen 
Konzertagenturen: Freyschmidt, Kramer-Bangert, Scharwenka, Simon, 
die sich jüngst zu einem einzigen Unternehmen unter der Führung des 
Klavierfabrikanten Tarl Scheel zusammengeschlossen haben. Daneben 
besteht dann noch gesondert als allerjüngste Gründung die Konzert 
direktion von Reinhold, vie verschiedenartigsten Künstler und virtuosen, 
männliche und weibliche werden so nach Kassel gelockt. Über nicht nur 
von auswärts brauchen die musikalischen Wundertäter zu kommen, 
auch die Propheten im eigenen Lande gelten etwas: so das im Vorjahre 
neu gegründete Kasseler Streichquartett (Kromer, Gnken, Riege, Bender), 
das Zulauf-Trio oder einheimische Pianisten wie vr. Ernst Zulauf und 
Ludwig Kaiser. Verdienstvoll sind die Veranstaltungen der Musikgruppe 
der Kasseler Gesang- und Klavierlehrerinnen und die Darbietungen der 
Ortsgruppe des Reichsoerbandes deutscher Tonkünstler und Musiklehrer. 
Sorgfältig geleitete Konservatorien (unter Direktor Böhmer und Direktor 
Kühling) streben akademisch im guten Sinne nach Organisation und
	        

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