Full text: Baumbach-Amönau, Carl Ludwig Malchus von - Blackert, Wilh. Aug. (Losch-Kartei) (2)

Waldeckische Landeszeitung v. 10.06.03
Nr. 132. 116 Jhg.          Lokales                        Dienstag, 10. Juni 2003

Dr. Hermann Bing im Alter von 98 Jahren in Korbach gestorben
Ein Leben für die Zeitung der Heimat

Korbach (-st-). "Mit seinem Wirken           tät Marburg zum 50. Mal jährte, nahm
hat Dr. Hermann Bing die Lebensver-        das der Fachbereich Wirtschaftswissen-
hältnisse in seiner Heimatstadt und weit    schaften zum Anlass, das Doktor-Dip-
darüber hinaus im materiellen wie im         lom zu erneuern. Dabei wies der Dekan
geistigen Sinne wirkungsvoll und posi-      des Fachbereichs, Prof. Dr. Priewasser,
tiv beeinflusst", sagte Bürgermeister        darauf hin, dass es sich bei der Disserta-
Klaus Friedrich im Januar bei der Ver-       tion von Hermann Bing "um eine außer-
leihung der letzten hohen Auszeich-         ordentlich wertvolle Arbeit handelt, der
nung, die der Verleger und langjährige      für die Verwaltungs- und Landesge-
Chefredakteur der Waldeckischen             schichte große Aussagekraft zukommt".
Landeszeitung und Frankenberger Zei-     Nach dem Studium sammelte Dr.
tung, Dr. Hermann Bing, mit der Ehren-   Hermann Bing berufliche Erfahrungen
bürgerschaft der Stadt Korbach an sei-    in der Finanzanteilung der Waldecki-
nem 98. Geburtstag erhielt. Am Pfingst-   schen Landesregierung in Arolsen,
montag ist der Seniorchef der Heimat-     beim Dresdner Anzeiger, in der Indust-
zeitung nach einem erfüllten Leben           rie- und Handelskammer Dresden und
verstorben.                                           bei der Stadtverwaltung Düsseldorf. Im
 Mit der Ehrenbürgerschaft würdigte        festen Willen, dem Waldecker Land sei-
seine Heimatstadt einen tief in der Re-     ne Heimatzeitung zu erhalten, kehrte er
gion, ihrem kulturellen Leben und ihrer     1932 nach Korbach zurück. Zusammen
Geschichte verwurzelten Unternehmer      mit seinem 1986 im Alter von 83 Jahren
und Publizisten. Gemeinsam mit sei-         verstorbenen Bruder meisterte er die
nem Bruder Ludwig entwickelte Dr.          zahlreichen Schwierigkeiten im Gleich-
Hermann Bing die 1887 von seinem         schaltungsbestreben der NS-Zeit und in
Vater gegründete Heimatzeitung wei-       den schweren Jahren nach dem Zweei- 
ter und bewahrte sie in ihrer Eigenstän-   ten Weltkrieg. Persönlicher Einsatz, der
digkeit. Er hat mit ihr den Lauf der Zeit    keinen normalen Arbeitstag kannte,
über viele Jahrzehnte hinweg kritisch        kennzeichneten später auch die Jahre,
begleitet und aufgezeichnet. Dabei war    die bei seinen meisten Mitbürgern als
er geprägt durch vielfältige persönliche     Ruhestand bezeichnet werden.
Erfahrungen und Begegnungen mit          Berufsverband aufgebaut
Menschen aus allen Teilen der Welt.          Neben seiner verlegerischen und
 Hermann Bing wurde am 20. Januar        journalistischen Arbeit war es Dr. Her-
1905 als fünftes von sechs Kindern des    mann Bing ein besonderes Anliegen,
Verleger-Ehepaares Wilhelm und Her-       einen Berufsverband mit aufzubauen,
mine Bing in Korbach geboren. Der           der auf Landes- und Bundesebene An-
frühe Tod des Vaters stellte 1912 die       erkennung genießt. Mit Engagement
damals 34 Jahre alte Mutter vor die          und Überzeugungskraft setzte er sich
schwierige Aufgabe, ihren Kinder das        für eine freie und unabhängige Presse
Unternehmen zu erhalten.                       ein. Viele Jahre war er Vorsitzender der
 Die Jugendzeit von Hermann Bing            1967 von ihm mitbegründeten Vereini-
war geprägt durch die Jugendbewe-          gung der Heimat- und Standortzeitun-
gung und seine Begeisterung für die         gen, die ab 1974 als "pro lokalzeitung"
Leichtathletik. Nach dem Abitur an die       in der vielfältigen Medienlandschaft
Alten Landesschule in Korbach studier-     Gewicht hatte. Die hessischen Interes-
te er in Gießen und München, wo er          sen vertrat er 20 Jahre lang als Dele-
1927 das Examen als Diplom-Volkswirt      gierter im Bundesverbund Deutscher
ablegte.                                                  Zeitungsverleger. In Vorträgen und
 1929 promovierte Herman Bing in             zahlreichen Publikationen gab Dr. Her-
Marburg über die "Finanzgeschichte            mann Bing zahlreiche Anstöße zu politi-
Waldeck-Pyrmonts von der Wende des       schen Diskussionen und parlamentari-
18. Jahrhunderts bis 1929" zum Dr. phil.    schen Initiativen. Im Dialog mit Bundes-
Die als Buch erscchienene Arbeit fand         und Landespolitikern war er zugleich
wegen des am 1. April im gleichen Jahr       auch Botschafter seiner Heimat und
erfolgten Anschlusses des Freistaates        ihrer Menschen.
an Preußen weit über seine Grenzen           Mitvollzogen und in den letzten bei-
hinaus großes Interesse und wurde zu       den Jahrzehnten aufmerksam begleitet
einem Standardwerk der walkecki-             hat Dr. Hermann Bing eine technische
schen Geschichtsschreibung.                    Revolution in der Zeitungsherstellung
 Als sich am 14. Januar 1980 der Tag         vom Bleisatz zur Seitenproduktion in
der Promotion an der Philipps-Universi-      elektronischer Datenverarbeitung am
                                                             Bildschirm. Nachdem sein Sohn Wil-
                                                             helm in die Verlags-und Redaktionslei-

tung einstieg, blieb ihm mehr Zeit für         zwischen über 70 Jahre alten waldecki-
seine schriftstellerische Arbeit, Große         schen Fremdenverkehrsverbandes, der
Reisereportagen über die Sowjetunion,      ihn mit seinem Innovationspreis aus-
die USA, Brasilien, Südafrika und China      zeichnete. Intensive Kontake pflegte er
fanden Verbreitung im In- und Ausland.     zu den Waldeck-Pyrmonter Vereinen
Die von ihm betreute heimatkundliche        an Rhein und Ruhr. Seiner Schule blieb
Beilage "Mein Waldeck" wird von sei-          er über den Verein ehemaliger ALS-
ner Tochter Dr. Ursula Wolkers weiter-      Schüler verbunden, den er über zehn
geführt.                                                  Jahre als Vorsitzender leitete. Mit sei-
Viel beachtete Werke                                men Kulturpreis würdigte der Land-
 Dr. Hermann Bings feuilletonistische          kreis Waldeck-Frankenberg sein litera-   
Arbeiten, Erzählungen und Gedichte           risches Lebenswerk und die über fünf
kamen in zahlreichen Zeitungen und           Jahrzehnte lange Förderung der Thea-
Zeitschriften zum Abdruck. seine "pen-       terwoche in Korbach.
nälergeschichten" sind seit langem ver-      Die schönsten Jahre
griffen. Eine viel beachtete Auswahl            Bis ins hohe Alter waren die Mitglie-
seiner Gedichte enthält der Gedicht-          der der Historischen Schützengemein-
band "Spiegel am Wege". Großen An-        schaft Waldeck und der Schützengilde
klang gefunden haben die vier von             von 1377 in Korbach enge Freunde und
ihm herausgegebenen "Waldeckischen        Wegbegleiter. Die Jahre 1964 bis 1968,
Lesebücher", die einen tiefen Einblick          in denen er an der Seite seiner Ehefrau
in die Wesensart seiner Landsleute, ihre     Ingeborg Schützenkönig in der Kreis-
Geschichte und die Volkskunde vermit-       stadt war, bezeichnete er gerne als "die
teln. Sein letztes Werk ist eine Samm-        schönsten meines Lebens". Mit seiner
lung von Gedichten, die unter dem Titel       Familie trauern 200 Mitarbeiter um
"Zeitspuren" erschienen sind.                     ihren Seniorchef, der vielen von ihnen
 Die Verwurzelung in seiner Heimat              über Jahrzehnte ein geschätzter Arbeit-
machen ihn zum Mitbegründer des in-          geber und Vorbild zugleich war.

Dr. Hermann
Bing, der Heraus-
geber und jahr-
zehntelange
Chefredakteur
der Waldecki-
schen Landeszei-
tung und Fran-
kenberger Zei-
tung, ist gestern
in Korbach
im Alter von
98 Jahren
gestorben.
(Foto: pr)

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