Full text: Ein Ausflug nach Madeira

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zurück nach Funchal, wobei man einen mächtigen, sich fast 100 m 
weit ins Meer erstreckenden Lavastrom bewundern kann, der nun 
im Meere eine phantastische Klippe bildet. An einer Stelle sah 
ich dann nochmals zur Linken durch die Ausmündung des Grossen 
Curral die zackigen Spitzen der höchsten, seinen Ursprung umrahmen 
den Berge hervorschimmern als letzte Erinnerung an die vor kurzem 
geschaute Herrlichkeit, um bald darauf todmüde und hungrig im 
„Neuen Hotel“ anzulangem, nachdem ich über zehn Stunden im Sattel 
gesessen hatte oder geklettert war und als einzige Erfrischung zwei rohe 
Eier und einige unreife Birnen gehabt hatte — etwas anderes war näm 
lich auf der ganzen Strecke nicht zu erlangen gewesen. Der Träger 
mit dem Frühstückskorb erschien erst abends ganz vergnügt wieder im 
.Neuen Hotel“ und hatte dann noch die Unverfrorenheit, ein Trinkgeld 
zu verlangen. 
Ausflug nach dem Rabagal. 
Mit dem, was ich bisher geschildert habe, ist fast alles erschöpft, 
was bei weitem die grösste Mehrzahl aller nach Madeira kommenden 
Fremden von dieser schönen Insel sieht, — einige wenige besonders 
Unternehmungslustige machen noch eine Tour nach dem Rabaqal, der 
durch ihre wunderschönen Wasserfälle und ihre so ausserordentlich 
kühn und kunstvoll angelegten Levaden berühmten Stelle im oberen 
Janellatal im Nordwesten der Insel. Von dem übrigen Norden der Insel 
kennt fast niemand etwas und zwar nicht nur niemand von den Fremden, 
sondern auch nur wenige von den ständig in Funchal wohnenden 
Europäern und von den Eingeborenen. 
Und doch bietet der Norden der Insel eine solche 
Fülle wunderbarer Naturschönheiten und grossartiger Ge- 
birgsbilder, dass er den Vergleich mit dem berühmten Schau 
stück des Grossen Curral reichlich aufnehmen kann und in mancher 
Hinsicht diesen vielleicht noch übertrifft. Können die Täler des Nordens 
auch nicht in bezug auf die Dimensionen mit dem Grossen Curral wett 
eifern, so haben sie dafür den Vorzug des feuchteren, etwas weniger 
warmen Klimas, also eines viel grösseren Wasserreichtums und einer noch 
üppigeren Vegetation; sie sind oft noch viel enger und schluchtähnlicher 
und wirken deshalb oft noch erheblich schauerlicher und malerischer. 
Dazu kommt, dass das Gebirge der Insel mehr nach dem Norden 
gerückt ist und deshalb dort im allgemeinen mit höheren, steileren 
Klippen nach dem Meere zu abstürzt, in dem zahlreiche, hohe, grotesk 
geformte Klippen noch zur Verschönerung des Bildes beitragen. 
Erklärlich wird die Tatsache, dass der schöne Norden der Insel so 
wenig bekannt ist, vor allem durch die vorerst noch schlechten 
Gasthaus- und Wegeverhältnisse, die für alle an Bequemlichkeiten des 
Reisens gewöhnte Leute diese Touren fast unmöglich machen. Man
	        

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