Full text: Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen

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von Fulda in der Herberge jeden Tages unter dem Zu 
laufe unzähliger Menschen, und als die kaiserlichen Kom- 
miffarien wiederholt auf die Ausführung des Wormser 
Edikts drangen, drohte der Landgraf, mit dem Kur 
fürsten abzureisen. Diese entschlossene Haltung und neue 
Gefahren in Ungarn und Italien bewogen endlich König 
Ferdinand am 27. August, den Beschluß der Mehrzahl 
zu unterschreiben: „daß zur Vergleichung der Religion 
binnen Jahresfrist eine freie, allgemeine oder wenigstens 
nationale Kirchenversammlung auf deutschem Boden ge 
halten und einstweilen sich jeder Reichsstand so verhal 
ten solle, wie er es gegen Gott und kaiser 
liche Majestät zu verantworten gedächte. 
Dieser Endbeschluß des berühmten Reichstages zu 
Speyer war wenig oder nichts in den Augen derer, die 
sich dem Wahne auf übernatürliche Hülfe hingaben, aber 
er war Alles in den Händen eines so redlich gesinnten, 
festen und weisen Fürsten, wie Landgraf Philipp war. 
Darum säumte er auch nicht, den schönsten Plan seines 
Lebens auszuführen, und ging dabei mit einer Vorsicht, 
Gerechtigkeit und Uneigennützigkeit zu Werke, welche die 
Bewunderung aller Zeiten verdient. Alles geschah durch 
vertragmäßige Uebereinkunft, Niemand wurde dabei in 
seiner religiösen Freiheit oder an seinen Rechten gefähr 
det, und so das Ganze auf einen festen, sichern Grund 
gebaut, der sich dann auch im Laufe der Zeiten als der 
einzig wahre bewiesen hat. 
Wenige Wochen nach dem Reichstage zu Speyer 
verkündigte Philipp den geistlichen und weltlichen Stän 
den, daß er zu Homberg über den Zwiespalt in der 
Religion ein Gespräch halten wolle, und lud dazu auf 
den 21. October alle Prälaten, Aebte, Prioren, Patres 
und Confessores der Mönch- und Nonnenklöster, sowie 
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