Full text: Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen

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Philipps des Großmüthigen hieß Feige (Ticinus}, war 
von Lichtenau und bekam an Gefällen 140 Gulden jähr 
lich, dazu 3 oder 4 Pferde und Knechte, alle Jahr zwei 
mal die Hofkleidung, Futter und Mahl, Nagel und 
Eisen, Ersatz für ziemlichen Reisigen Schaden, und 
wollte oder konnte er das Kanzler-Amt nicht mehr ver 
walten, so sollte er doch sein Leben lang des Landgrafen 
Rath bleiben und 50 Goldgulden jährlich genießen. — 
Ein Goldgulden betrug übrigens 30 Albus und erst seit 
1551 fingen die rheinischen Kurfürsten an, sie auch in 
Silber auszuprägen. 
Der Reichstag zu Worms, welcher vom 6. Januar 
bis zum 26. Mai 1521 dauerte, wurde für Hessen wich 
tig, nicht blos deshalb, weil Landgraf Philipp auf dem 
selben von Kaiser Karl V. mit den Regalien und Reichs 
lehen der Landgrafschaft Hessen und über die Erbver 
brüderung mit Sachsen belehnt wurde, die Philipp mit 
den Herzogen zu Sachsen das Jahr vorher zu Nord 
hausen erneuert hatte und wodurch die im hessischen 
Hause herkömmliche Ausschließung weiblicher Erben von 
neuem bestätigt und die Erhaltung des Landes mit allen 
neuen Erwerbungen gesichert wurde. Sondern mehr 
noch deshalb, weil die erschütternden Worte, welche der 
zum Widerspruch seiner Lehren und Schriften gedrun 
gene Luther sprach: „Hier stehe ich, ich kann nicht an 
ders, Gott helfe mir, Amen!" in des jungen Land 
grafen Brust sowohl Theilnahme für den durch einen 
Machtspruch verdammten Glaubenshelden, als auch An 
hänglichkeit und Begeisterung für das Evangelium selbst 
erweckten. Philipp war an der Spitze von 600 Rei 
sigen, darunter viele graue und erfahrene Helden sich 
befanden, auf den Reichstag gekommen, worüber ein 
Zeitgenosse sich folgendermaßen ausspricht: „Oftmals 
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