Full text: Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen

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fängt Mancher eine Sache an und meinet, sie solle ihm 
wohl ersprießen, und fehlet ihm dennoch. Wären Ew. 
Gnaden vor etlichen Tagen gekommen, da war's anders 
mit mir bestellt. Meine Zeit will's jetzt nicht leiden, 
viel davon zu reden. Wollt' Gott, sollt' ich leben, ich 
hab' auf Mittel gedacht, es sollt' Ew. Gnaden doppelt 
erstattet werden." — Auch die andern Fürsten grüßte er 
ehrerbietig, dann verließen sie das Gemach und traten 
in den Schloßhof. Bald darauf meldete ihnen Sickingens 
Kapellan, daß sein Herr im Sterben begriffen sei. Land 
graf Philipp ging zu ihm und bat ihn, daß er sich um 
Gott bekümmern und beichten möchte. Sickingen sprach 
eine offene Beichte, dann verschied er vor den Augen 
seiner Sieger. Sie beteten ein Vater Unser. Sickin 
gens Leichnam wurde in einem Kasten an Seilen von 
der hohen Mauer hinabgelassen und in einer benachbarten 
Kapelle beigesetzt. 
Nach der Besetzung von Landstuhl sandten die Für 
sten ihre Hauptleute vor den Drachenfels im Wasgau, 
denn noch waren fünf Burgen zu erobern. Dieser ergab 
sich auf freien Abzug der Besatzung, wurde dann ge 
plündert und verbrannt. Dann zogen die Fürsten in 
drei Haufen südlich, der Landgraf über Zweibrücken 
nach Thannstein; der Besitzer bekannte sich als ein Diener 
des Pfalzgrafen und erbot sich dem Kurfürsten von 
Trier zu Recht vor den beiden andern Fürsten. Das 
Schloß selbst wurde seinem Lehnsherrn, dem Bischof von 
Speyer, gegen Urfehde übergeben. Wilhelm von Ronne- 
berg hatte schon am 12. Mai die Feste Hohenburg ein 
genommen und verbrannt, und nachdem noch Lützelburg, 
unweit Elsaß-Zabern, eingenommen und zerstört, Wei 
ßenburg und andere Städte, welche sich Sickingen ver 
pflichtet hatten, mit dem Pfalzgrafcn vertragen worden,
	        

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