Full text: Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen

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Gottesdienst seiner Bürger bedrängte. Da beide Städte 
zum Schmalkaldischen Bunde gehörten, so flehten sie den 
Kurfürsten und den Landgrafen um Hülfe an. Beide 
kamen zu einer Berathung nach Eisenach, sandten einen 
Fehdebrief an den Herzog und 2500 Mann, unter 
Bernhard von Mila, nach Braunschweig. Sie selbst 
zogen mit einem meist gemietheten Heere von 4000 Reitern 
und 1500 Fußknechten in des Herzogs Land. Der Kur 
fürst über den Harz, der Landgraf an der Weser her 
unter über Beverungen, Hörter, Holzminden und den 
Fürstenberg, der sich sogleich ergab. Das Land wurde 
in vierzehn Tagen, mit Ausnahme der Festen Schöningen, 
Steinbrück und Wolfenbüttel, erobert. Dies war im 
Juli 1542. Herzog Heinrich floh mit seinem Kanzler 
Stopler über den Harz nach Landshut, nachdem er zu 
Gandersheim einen Landtag gehalten und seine Unter 
thanen ermahnt hatte, sich männlich zur Wehr zu stellen, 
auch die Festung Wolfenbüttel mit Proviant, Geschütz 
und Mannschaft wohl versehen hatte. Am 2. August, 
wo der Kurfürst und der Landgraf davor zogen und sie 
zur Uebergabe ermahnten, gab man die Antwort: „sie 
möchten in drei Jahren wiederkommen." Und als eines 
Tages des Landgrafen Schanzreiter wegen großer Hitze 
bei der Arbeit ihre Harnische abgelegt und sich etwas 
von ihrem Posten entfernt hatten, so erschienen einige 
wachsame Ritter von Wolfenbüttel in der Kleidung der 
landgräflichen Reiter und tödteten die unerfahrenen 
Schanzbauern nebst dem obersten Zeugwart, Veit Kraut- 
peter, und dem Hauptmann der Schanzgräber, Hans 
Keim, der sich im würtembergischen Zuge so tapfer ge 
halten. Vom Thurm des Schlosses ertönte ein Spott- 
lied ob der gelungenen List; da eilte der Landgraf selbst 
herbei und ließ sein Geschütz so glücklich richten, daß der
	        

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