Full text: Das Leben Philipps des Großmüthigen, Landgrafen von Hessen

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der Werra, Witzenhausen, Allendorf, Eschwege, Netra, Bil 
stein und den landgräflichen Antheil an Vach und Schmal 
kalden erhielt. Beide Brüder lebten dabei in steter Ein 
tracht, und während Wilhelm der Mittlere den römischen 
König Maximilian auf allen Zügen begleitete und mit sei 
nen tapferen Hessen, einem Kurt von Wallenstein, Konrad 
von Mansbach, Johannes Holzsadel und Kaspar Schenck 
von Schweinsberg, die von Maximilian selbst zur Be 
lohnung zu Rittern geschlagen wurden, besonders bei 
der Einnahme von Stuhlweißenberg und Ofen sich aus 
zeichnete und dem Kaiser Friedrich HI., gestorben am 
19. August 1493, persönlich in der Stephanskirche zu 
Wien die letzte Ehre erwies: hatte Wilhelm der Aeltere, 
gleich seinem Großvater Ludwig, eine Pilgerfahrt nach 
Jerusalem angetreten, von der er zwar, nebst mehreren 
seiner Begleiter, mit der Würde eines Ritters vom hei 
ligen Grabe, vom Pabste Jnnocentius VIII. mit einem 
zur Vertheidigung des wahren christlichen Glaubens ge 
weihten und noch jetzt zu Kassel vorhandenen kostbaren 
Schwerte geschmückt, zurückkehrte, allein so gemüths- 
und geisteskrank blieb, daß er sich entschloß, seine Re 
gierung niederzulegen und seinem Bruder unwiderruflich 
abzutreten. Dies geschah am 3. Juni 1493. 
Nun hatte Wilhelm der Jüngere zu Marburg sich 
mit Elisabeth, der Tochter des Kurfürsten Philipp von 
der Pfalz, 1496 vermählt, doch da die Ehe kinderlos 
blieb und Wilhelm schon am 17. Februar 1500 nach 
einem Sturze auf der Jagd bei Rauschenberg sein Leben 
endete: so fiel auch Oberhessen dem Vater Philipp des 
Großmüthigen zu und eine Neformirung der ausgear 
teten Klöster, die Entwerfung eines allgemeinen hessi 
schen Landrechts, sowie mehrere Verordnungen gegen 
Trinkgelage und Klciderpracht machten die Hauptsorge
        

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