Full text: Ausführliches Lehrbuch der Handels-Correspondenz enthaltend in vier Büchern

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Von der Conjugation. 
Die Veränderungen des Verbs, welche es in den Zeit- und 143 
Modusverhältnissen durch den Ablaut, Umlaut und an seiner 
Endung erleidet, nennt man die Conjugation; conjugiren heißt 
also, diese Veränderungen mit einem Verbum vornehmen, z. B. 
geben, gibt, gab, gäbe, gegeben; lieben, liebt, liebte, geliebt. 
Von den Hülfszeitwörtern. 
Hülfszeitwörter nennt man gewisse Verben, weil mit ihrer 144 
Hülfe die zusammengesetzten Zeiten und die Passivform der eigent 
lichen Verben conjugirt werden. Sie drücken nicht Begriffe, son 
dern nur Beziehungen der Begriffe aus; sie sind mithin Form 
wörter und werden nur in gewissen Bedeutungen zu Begriffs 
wörtern. Sie sind folgende: 
1) das Aussagewort: sein; 145 
2) die Hülfsverben der Zeit: sein, werden und haben; 
3) die Hülfsverben des Modus: 
s) eine Möglichkeit bezeichnend: können, dürfen, mögen, 
d) eine Nothwendigkeit bezeichnend: müssen, sollen, wollen, 
lassen. 
Man nennt „sein" das Aussagewort, weil es die Aussage 146 
bezeichnet, wenn des Prädicat, §. 197, nicht durch ein Verb, son 
dern durch ein Adjectiv oder Substantiv ausgedrückt ist, z. B. 
Der Vater ist krank (der Vater kränkelt); der Bruder ist auf der Jagd 
(d. h. er jagt). 
Das Hülfszeitwort „lassen" hat im Deutschen zwei Bedeu- 147 
tungen; es drückt nämlich eine Erlaubniß (ein Zulassen) und 
einen Befehl aus, z. B. er ließ ihn schlafen; er läßt ihn abreisen, 
d. h. er erlaubte, daß er schlief; er erlaubt, daß er abreise; — 
dagegen: er ließ die Stadt angreifen, er ließ den Dieb hängen, 
d. h. er befahl, daß die Stadt angriffen, daß der Dieb gehangen 
werde. 
Steht „lassen" bei einem Imperativ, §. 133, so geht die 14g 
Aufforderung Etwas zu thun, sowohl an die sprechende, als an 
die angesprochene Person, d. h. der Sprechende richtet die Auffor-
	        

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