Full text: Briefe aus Krieg und Frieden

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Mir ist es so klar geworden, daß es jetzt noch verfrüht 
wäre. Auch mit Pekrun sprach ich alles durch, der übrigens 
von selbst das letzte Mal davon anfing, auf Grund dessen, was 
er über das neue Examen gehört hat. In jedem Falle sind nun 
glücklich für mich die schwersten Bedingungen herausgekommen, 
die ich mir vor einem jahr nicht habe träumen lassen, denn da 
hätte ich es eben nicht erst versucht. Daß ich aber von Pekrun 
weg bin, darüber bin ich doch des vielen Geldes wegen sehr froh. 
Wann ich wohl kommen kann, wird sich Klein Mamachen da wohl aus 
rechnen können. 
2. Advent. Sonntag bin ich zu Tisch bei Hanns und Gerda; dann 
gehe ich zu Erika und abends habe ich mich bei Müllers endlich 
wieder einmal angesagt. Gestern war ich für 1 Mk im "Teil", le 
diglich der Bildung wegen, Du weißt es ja, mein Lieb. 
Wie froh bin ich, soviel über unser Möckchen zu hören; ich 
habe auch riesige Sehnsucht nach ihm. Bin mit meinem Stübel recht 
zufrieden, es ist sehr still. Sehr sauberes, weiߧs großes Bett 
mit weißem Schrank und Waschtisch, elektr. Licht und Zentralhei 
zung. Die Wirtin ist aber sehr verarmt und weiß nicht, wovon sie 
leben soll. Vater, Mutter und Bruder sind vor 1 Jahr gestorben! 
Sehr warte ich auf ein Äpfelpaket. Hier muß ich stets 3o Mk 
bezahlen, und sie sind garnicht gut, bitte bitte schick mir bald 
eins. In die Staatsbibliothek habe ich auf Grund der Stud. Karte 
freien Eintritt. 
Mein Liebchen sei nicht böse, wenn ich heut nicht mehr schrei 
be, aber ich muß noch 1/2 Stunde Deutsch für die Stunde arbeiten. 
Mit Blasche machte ich es ja viel zu gern so, wie Du es gern 
willst, und ob er vor Weihnachten noch kommen soll, besprechen 
wir in 8 Tagen zusammen, übrigens kostet es für Blasche jede 
Reise 6, Mk, also 12 Mk! 
Grüße Mutter vielmals von mir. Und unserem Goldmännchen viele 
liebe Küßchen, und für mein Lieblein eine innige Umarmung. 
In großer Liebe und steter Treue Dein Vätilein.
	        

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