Full text: Briefe aus Krieg und Frieden

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Im Felde, den 18.8.1940. 
Mein geliebtes Muttilein! 
Heute ist Sonntag, und ich habe auch schon ein klein wenig 
davon gemerkt, indem heute für die Gruppe Ruhe ist und ich in 
folgedessen auch früh morgens mehr Zeit hatte. Konnte in Ruhe 
die Andacht von Söderblom lesen und aus der Christi. Welt und 
einen Pslam. Mehr verlangt man ja schon garnicht, nur früh mor 
gens etwas Sammlung. Dann trank ich gemütlich Kaffee und 1 Ei 
dazu, ging dann im Walde 1/2 Stunde spazieren und las Deinen letz 
ten Brief vom 9.8.,Nr. 18. Da war ich so ganz mit meinen Gedan 
ken bei Euch Lieben, das war wirklich für mich eine Feierstunde 
- Sonntagsstimmung. 
Jetzt um 11.30 sitze ich auf Gefechtsstand, um schnell das 
Nötige zu erledigen. Hoffe heute Nachmittag mit Dr. Gatzert ei 
ne kleine Ausfahrt an die Loire machen zu können. Also diesem 
unserem Oberarzt habe ich meine Schlüssel und Adresse von Dir 
gegeben, damit er Dich schnell benachrichtigen kann, wenn ich 
mal verhindert sein sollte. An den kannst Du Dich auch dann wen 
den. 
Gestern rief Stabsarzt Dr. Ullrich aus Orleans an, sollte mir 
Grüße von L.F. übermitteln. Ich bat ihn, auf den Platz zu mir 
zu kommen und er kam auch, aber ich hatte absolut im Augenblick 
keine Zeit und schickte ihn wieder weg. Er hatte schon tags zu 
vor vergeblich angerufen, da wurde ihm gesagt, ich bin soeben 
mit der Gruppe zum Feindflug gestartet. Ja das stimmte auch. 
Wir wollten nach London; leider mußten wir auf der Hälfte 
über dem Kanal umdrehen. Warum, darf ich nicht schreiben. Ich 
habe auch vorher ein liebes Briefchen an Dich geschrieben, der 
liegt in meiner Schublade; denn man kann ja nie wissen. Diese 
Englandflüge sind doch nicht so leicht, wie die nach Frankreich. 
Mir geht es sonst z.Zt. durchaus gesundheitlich gut. Ich 
reite fst täglich schnell 1/2 Stunde, habe mich wieder aufge 
ritten, und das tut ziemlich weh, deshalb konnte ich auch heu 
te Morgen den Ritt in den Feldern nicht ausführen, öfters gehe
	        

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