Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

Ouiller und Markwalü. 
Eine Wanderung mit Freunden germanischer Früh- und Vorgeschichte. Bon Architekt Fritz Stück, Kassel. 
Guxhagen 
ist ein Kukukshain. mhd. heißt gouch. guggouch. 
gauch ^ Kukuk; so erscheint der Ort auch 1332 
als Kukukshayn, 1357 als Gukishain und erst 
1520 als Guxhagen. Gingen wir unseren Orts 
namen nach, fänden wir zahlreiche derartige Entstel 
lungen. D.e 1309 beschlossene Gründung einer neuen 
Stadt zwischen Fulda und Schwarzbach scheint die 
Geburtsstunde Guxhagens zu sein. Im NO. der 
Feldflur liegt das Loh (im Ort: die Lohstrahe!) 
und im SO., am Kehrenberg, eine „Schanze", die 
anscheinend aus frühgeschichtlicher Stätte Platz fand. 
Grebenau, 
gleichfalls an der Fulda belegen, da, wo sie die 
große Schleife südlich Guxhagen bildet. Der Ort 
wird in einer als echt nicht erwiesenen Urkunde 
schon 786 in der Form Grabonowa ermähnt, er 
scheint zweifelsfrei dann 1057 als Grabenowa. 1265 
als Grevenhowa und 1366 als Grebinowe. Es bleibt 
fraglich, ob das Werner-Geschlecht oder die 
Vorfahren der 1089 zuerst genannten Grafen 
von Reichenbach als Gründer anzusprechen 
sind. Hessen überließ den Ort im 14. Jahrhundert 
an die Meisenbug. Die Kirche gehört 1505 zum 
Dekanat Gensungen, war aber schon 1057 Eigentum 
des Stifts Hersfeld und Lehen der für Hessens früh 
geschichtliche Stätten so bedeutsamen Hunde (von 
Kirchberg). Noch älter als Grebenau ist das in der 
Fuldaschleife südwestlich gegenüberliegende, von der 
Wanderung nicht berührte 
Büchenwerra, 
das — unter Ausschaltung der Urkunde von 786 — 
zuerst 1256 als Buchenwerde. 1260 als Bochene- 
werdere und erst 1744 in der verderbten Form 
Buchenwerre vorkommt. Zweifellos ist die Deu 
tung als Buchen-Werder, d. h. buchenbestandene 
Fuldainsel. Der sicher erheblich ältere Ort war 1256 
bereits wüst: seine verfallende Kirche St. Ki 
lian i gab Graf Gottfried von Reichenbach dem 
nahen Kloster Breitenau gegenüber Guxhagen, das 
1113 vom Grafen Werner von Grüningen gestiftet 
war. Der Anteil des Buchenwerders, zu dem die 
Kilianskirche gehörte, war würzburgiich gewesen 
und läßt auf vorbonifatianische Mission in diesem 
Teil Niederhessens schließen, wofür sich neuerlich 
eine ganze Reihe Belege fanden. Zwischen den 
vorgeschichtlichen Siedlungen und Hel-Stätten des 
Quillers und Fuldaberges bei Ellenberg einerseits, 
den gleichen südlich Grebenau andererseits belegen, 
ist an dieser Stelle ein frühchristlicher Ent 
sühnungskultbau genau so erklärlich, wie 
am Heiligenberg. Der heute noch versteckt und un 
zugänglich belegene Ort erscheint im Blickfeld des 
Wanderers, der südlich Grebenau zum 
Opferberg 
hinansteigt. Er hat — als Höhe 190,8 — seinen 
alten Namen genau so bis zur heutigen Zeit be 
wahrt, wie der südlich anschließende „Opfer- 
p l a tz", der wiederum die von uns in Hessen so 
vielfach erweisliche Lage eines Sattellohs hat, d. h. 
eines Heiligen Haines, der im Sattel zwischen zwei 
Bergen (mystische Bedeutung!) lag. Hier ist die 
nördliche Höhe der Zwillingskuppe der bereits er 
wähnte Opferberg, die südliche, den Eingang zum 
Quiller westlich oberhalb Wagenfurth sperrende 
Höhe aber der sog. Rosengarten. Rosen ga 
ben ihm wie vielen anderen Rosen-Orten indes 
kaum den Namen, wohl aber ist er — von einem 
Renweg in ganzer Länge (Teilstrecke Schleif 
steinskopf Grebenau) durchzogen — ein Rossegarten! 
Sein künstlich umgestaltetes Plateau birgt wahr 
scheinlich zudem ein vorgeschichtliches Gräberfeld. 
Inzwischen mehrten sich die Anzeichen dafür, daß 
es sich hier — an altem Wegzuge — dennoch um 
einen Rosengarten handelt. Deren gibt es 
in Hessen viele, immer Begräbnisplätze bezeichnend, 
aber auch fast immer an alten Renwegen liegend. 
Die Scheiterhaufen wurden mit den Wodan und 
Donar als Leichenherren geheiligtem Rosendorn um 
flochten, die Gräber damit umpflanzt: vgl. meine 
Schrift „Dorn-Orte in Hessen". Die Rose 
war das Sinnbild der Verschwiegenheit und des 
Grabes, vom christlichen Kult wie vieles später 
übernommen. Von ihrem moosgrünen „Schlafapfel" 
glaubte man, daß er in Schlaf versetze: vgl. wie 
vor, S. 2. 
Der Rosengarten zu Worms und sein Sagen 
gut ist allbekannt. Auch der traumhaft-schöne 
Christenberg hat seinen Rosengarten. Bei 
Marburg, zwischen Ockershausen und Neuhof. 
liegt an der alten Weinstraße (wayn =■ Wagen) 
ein Gräberfeld mit dem Namen Rosengarten, bis 
1807 Maifeststätte („Schülerhecke"). Der 
Schleifsteinskopf 
schließt sich südlich Büchenwerra in einer Höhe von 
305 Meter an, nur wenig hinter dem südöstlich ihm 
vorgelagerten Quillerkopf mit 343 Meter zu 
rückstehend. Ist der Name Schleifsteinskopf (wie 
im Eddertal) völlig ungeklärt (es sei denn, daß er 
eine astronomische Bedeutung wie Kehre, Wende, 
Schwang, Schwenge usw. habe), so gilt Quiller 
gemeinhin als Quellgebiet, doch ist gegenüber dieser 
wenig befriedigenden Deutung auch an eine Entstel 
lung aus einem älteren Bil-Namen zu denken. 
Aber auch Quel als Mühle im mythologischen Sinne 
kommt in Betracht. Auf dem Schleifsteinskopf 
selbst finden sich zwei größere, bis 1,5 Meter hohe, 
in seiner Nähe eine ganze Reihe kleinerer Hügel 
gräber der Bronze- oder jüngeren Steinzeit, viel 
leicht bis über 2000 v. Chr. Geb. zurückgehend, 
in welche Epoche wir nach unseren bisherigen Er 
mittelungen in Hessen die von uns aufgedeckte Bil- 
Kultur ansetzen. Es bestanden bereits feste Häu 
ser aus Holz: ihre Bewohner trieben Ackerbau und 
Viehzucht, kannten Töpferei und Weberei. Ein Teil 
dieser Grabstätten wird beim Bau der Reichs 
au t o b a h n z. Zt. aufgedeckt. An ihrer Kilometer- 
Station 56,5 fand sich ein weiteres Hügelgrab von 
16 Meter Durchmesser mit seltsamer Steinsetzung, 
das von Dr. Naß kürzlich ebenso freigelegt wurde 
wie ein Urnen- bzw. Hügelgräberfeld 
bei Kilometer 57,2 bis 57,3, beide am Hang des 
Schleifsteinskopfes. Diese Gräber, noch nicht end 
gültig untersucht, sollen aus 500—1000 v. Chr. 
stammen. Das Gräberfeld enthält mehr als 10 
aufgedeckte Hügel meist größerer Ausmaße, die alle 
nur flachgewölbt (40—50 Zentimeter) waren, einige
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.