Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

Manchmal hat man Leitung nur, 
doch von Wasser keine Spur. 
Will man dann den Krähn aufdreh'n, 
es ist um auf dem Kopf zu steh'n. 
Die vortragenden Lehrerinnen und Schülerinnen 
trugen dann, auf der Kopfrückseite maskiert, in 
einem drapierten Reigen auf der Bühne des einsti 
gen Hessischen Hofsaals meine Strophen singend 
vor und erzielten einen durchschlagenden Erfolg. 
Als genannte Strophen, immer mit einer Kehrt 
wendung, um das andere Gesicht zu zeigen, ge 
sungen wurden, gab es in dem dicht gedrängt mit 
dienst ein, mit den Liedern 7. 304 und 495, zur 
Wendenacht des Lahres, in dem ich durch Gottes 
Gnade zum Bürgermeister meiner Vaterstadt ge 
wählt und bestätigt wurde, was ich mit dem am 4. 
5. 1906, wie 1267, neu verliehenen Stadtsiegel be 
glaubigt eintrug, mit meinem Wahlspruch „Durch 
Nacht zum Licht". 
Auch mir waren dunkle Zeiten im Leben be- 
schieden gewesen, während der ich oft an die mir 
einst von meiner 7 Lahre älteren lieben Base 
Auguste Gleim I (Frau Reinemund, geb. 27. 7. 
1861, gest. 24. 9. 1929 hier) in mein Knaben- 
Stammvers-Album geschriebenen Verse dachte: 
Skatklub um 1891 auf dem Sand, Gasthaus zur Krone. 
Bon links nach rechts: Sitzend: 1. Robert Mowsky, Uhrmacher; 2. Heinrich Bierschenk, Be 
zirksfeldwebel, Kgl. Rech.-Rat; 3. Friedrich Müller, Färbermeister. Mühlenstr.; 4. Lohs. Hebeler, Bahn- 
Hofs-Lnsp.; 5. Oskar Wunsch, Färbermeister: 6. Karl Walther, Gastwirt. 
Stehend: 1. Paul Meyerbach, Buchhalter; 2. Karl Lacob, Buchhalter u. Korresp.; 3. Otto Eysel, 
Kaufmann; 4. Karl Prack, Schneidermeister und Kaufmann: 5. Georg Morst, Kaufmann. 
400—500 Zuhörern besetzten Saal ein schallendes 
Gelächter, alles schaute nach mir und freute sich 
diebisch, daß dem Bürgermeister eins ausgewischt 
wurde, ahnte doch niemand, daß die Verse 
von mir selbst stammten, und ich lachte mit. 
Am 26. 1. 07 (Vorabend zu Kaisers Geburtstag) 
strahlte die elektr. Beleuchtung zuerst zur Probe 
von Gebr. Gleim aus. Damals hatte ich ja schon die 
Erschließung neuer Quellen im eigentlichen Kehren 
bachgrunde vorgesehen, die dann auch erworben 
und angeschlossen wurden. Die Fertigstellung des 
Elektrizitätswerks und der Turbinenanlagen erfor 
derte natürlich ihre Zeit, aber so schwer sich viele 
Bürger anfänglich zum Anschluß entschlossen, so 
überstürzt hätte nun alles fertig fein müssen, wie es 
ja in vielen Dingen geht, wenn dann die Neugier 
auf die Neuerung einmal erwacht ist. Innerhalb 
Jahresfrist war das Werk fertig. 
Am 31. Dezember 1906 erwarb ich in der Buch 
handlung von Aug. Bernecker hier ein neues ev. 
Kivchengefangbuch, weihte es im Sylvestergottes- 
Wenn Dich die Stürme des Lebens umtoben, 
Wenn Dich das Liebste auf Erden verläßt, 
Richte die Blicke nur gläubig nach oben, 
Bau auf den Vater nur kindlich und fest, 
Und sollte das Schicksal alles Dir rauben, 
So halte doch stets fest an dem Glauben. 
Auch dachte ich oft: Und ist es Nacht im Herzen, 
ein Morgen folgt daraus, mit tausend Strahlenker 
zen geht doch die Sonne auf; nachdem ich, wie 
mein 3jähriges Schwesterchen, Emma Elisabeth, als 
12jühriger Schulknabe die Mutter verlor und noch 
als Schuljunge die Heimat verließ, um auf den Tag 
am 1. Ostertag 15. 4. 1906, nach genau 24 Jah 
ren hierher heimzukehren. So hatte das Licht über 
die Nacht gesiegt und die Sonne der Heimat war 
mir wieder ausgegangen. Es war ein Höhepunkt in 
meinem Leben, nachdem mir in der Ferne das 
Hessenheimweh so manchmal „seine schlimme Weise" 
gesungen hatte. Hier gehst du im Leben nie mehr 
fort, war mein fester Vorsatz, und hoffe ich auch,
	        

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