Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

Stadttor mit rotem Ziegeldach und Umschrift) wie 
zur Beglaubigung darunter. Dann setzten wir un 
sere Wanderung fort, die jede Orientierung aus 
schloß. Der Sprühregen und der Nebel waren so 
dicht, daß man seinen Vordermann in mehr als 
Armeslänge nicht mehr sah. Wir mußten daher 
im Gänsemarsch, die Hand auf die Schulter des 
Vordermanns gelegt, langsam vorrücken und vorn 
den kundigsten Pfadfinder haben, der nach den im 
kurzen Gras auf freiliegenden Felsstücken aufge 
malten rotblauen Wegzeichen einen langsamen Ab 
stieg nach Gersfeld ermöglichte. Oft mußte plötzlich 
Halt gemacht werden, da bei der geringsten Ab 
weichung vom Wegzeichen, weil auch der unglaub 
lich dichte Nebel den Schall dämpfte, Verirrung 
zur Abfahrt nach Fulda, wo wir noch im Central 
hotel beim Kaiser Friedrich-Denkmal verweilten, 
nach Bebra zurückfuhren, wo noch Aufenthalt war, 
an dem der damalige Ortsbürgermeister teilnahm 
und einen ängstlich auf seinen Titel haltenden Teil 
nehmer ohne seinen Stand zu wissen wiederholt als 
M. anredete, aber keinerlei Antwort erhielt, bis 
er sich erkundigte und dann mit Titel fragte, wo 
rauf prompt Antwort erfolgte. Die Kundigen wuß 
ten Bescheid und lachten. Um Mitternacht langten 
wir von dieser zwar anstrengenden aber höchst hu 
moristisch verlaufenen Wanderfahrt wieder hier an. 
Die beiden Teilnehmer Referendar Volckmar, der 
auch Iägerhorn blies und Laute spielte, und Reg.- 
Baumeister Ernst Seckel machten mit Ass. v. Baum- 
Bild der aktiven 9. Kompagnie Infanterie-Regiment von Liitzow (1. Rheinisches Nr. 25) 
am Tage der Regimentsbesichtigung 1907 durch den Kommandierenden General des XIV. Armeekorps 
General der Infanterie von Bock und Polach (vorher Kom. Gen. des Gardekorps) auf dem Truppen 
übungsplatz des XIV. A. K. in Oberhofen bei Hagenau im Elsaß (vor der Lagerküche). Komp.-Führer 
zu Pferde Oblt. d. R. Otto Gleim. Leutnant Krüger (rechts). Leutnant d. R. Ennig (links), Feld 
webel Emil Schmidt (Mitte mit Doppeltresse), Vizefeldwebel Pülcher (links), Vizefeldwebel d. R. Beck 
(ganz links). 
und Verwirrung möglich war. Wir standen noch 
hinter einem 4teiligen Windschirm am Berghange, 
und da die Mäntel so naß wie die Kleider waren, 
und weiter als bis auf die Haut der Regen nicht 
mehr kam, so nahmen die Gerichts-Referendare 
Volckmar und Frhr. v. Wangenheim den Mar- 
kuse genannten Wettermantel Regierungsbaumeister 
Ernst Seckels durch die Aermel auf ihre Bergstöcke 
und trugen ihn als die „Pachulkenfahne" der Wan 
dergruppe mit viel Humor voraus. So gelangten 
wir schließlich nach Gersfeld ins Hotel Schußler, 
wo allgemeine Trocknung versucht wurde; ich wagte 
jedoch nicht, obgleich ich von der Wirtin selbstge 
strickte vorzügliche Rhönschafwollstrümpfe erwarb, 
diese zu verwenden, da zu befürchten war, nicht 
wieder in die Stiefel zu kommen. Bei dieser Klei 
dertrocknung, bis auf die Unaussprechlichen rund 
um den warmen Ofen, ergaben sich die humorvoll 
sten Bilder, woran sich dann eine allgemeine Auf 
frischung, Verpflegung und Aufwärmung schloß bis 
dach auch eine Rhönfahrt, wobei sie auch nach Roth 
in Bayern kamen, vor dessen Brauereigasthof ein 
Gruppenbild mit Sack und Pack aufgenommen 
wurde, welches die 3 Teilnehmer und die Wirtin 
zeigt, wovon ich einen Abzug besitze. Diese Wan 
derungen in die Rhön, nach dem Occhsen und auf 
dem Rennsteig des Thüringerwaldkammes waren 
sehr beliebt. 
Auch auf der 1. 7. 1903 eröffneten Lindenlust 
und im Kasino, das 1837 erbaut, kürzlich nach fast 
100 Fahren als Feierabendhaus auf die Deutsche 
Arbeitsfront überging für die aufstehenden Lasten 
von rund 23 000 RM., gegenüber dem Brandkas- 
senwert von 46 000 RM. und großem Garten dazu, 
was einer Spende der Abendgesellschaft von un 
gefähr 30 000 RM. entspricht, waren wir oft zu 
sammen mit Kantor Christoph Heerich und Bau 
rat Siefers, wie vielen anderen Mitgliedern. Als 
aber Frhr. v. Wangenheim nach seinem Wegzug 
kaum 1 Jahr später mal wieder her kam, hatte
	        

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