Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

zahlreichen Schaubuden und Rundbahnen besetzt. 
Einen so großen Vergnügungspark hatte Melsungen 
noch nicht gesehen. Leider setzte am Nachmittag 
Gewitterregen ein, der die Veranstaltungen erheblich 
störte. Auf den Schießständen aber krachten wei 
terhin die Schüsse aus allen Kalibern. Abends 
folgte die Preisverteilung. Am Montag fand ein 
Sportfest der Schulkinder statt. Ein reizender Blu 
menkorso bewegte sich durch die Straßen. Während 
aus den' Schießständen die Schüsse auf die Bürger 
scheibe fielen, lebte auf dem Festplatz der Volks 
trubel noch einmal aus. 
Die Reiterstandarte 47 Kassel veranstaltete am 
Sonntag, den 21. Juni 1936, in Guxhagen ein 
Reit- und F a h r t u r n i e r, das sich guter 
Besetzung und ausgezeichneter Leistungen erfreute. 
Der Sonnabend begann mit einem Geländeritt, bei 
dem auch die Fulda zu durchreiten war. Nachdem 
am Sonntag früh die Vorprüfungen durchgeführt 
waren, folgten nachmittags die großen reiterlichen 
Vorführungen bei prachtvollem Wetter. Viele hun 
dert Zuschauer hatten sich eingefunden, die mit 
großem Interesse die Leistungen der Angehörigen 
der Reiterstandarte und der Wehrmacht verfolgten. 
Der Führer der Reiterstandarte, Sturmführer Boll- 
heye, konnte auch eine große Zahl von Ehrengästen 
begrüßen, unter ihnen Regierungspräsident v. Mon- 
bart und Oberführer Linz, den Führer der Stan 
darte 173 in Melsungen. Nach einem kurzen Hin- 
meis auf Zweck und Ziel der Reitertreffen begann 
die Reiterprüfung für Anfänger. Mit größter Span 
nung wurden die Sprungkonkurrenzen verfolgt. War 
schon den Anfängern eine große reiterliche Veran 
lagung nicht abzusprechen, so zeigte es sich bei den 
älteren Reitern, daß sie würdig sind, auch auf 
größeren Turnieren ihren Mann zu stellen. Eine 
schöne Unterbrechung boten die Fahrkonkurrenzen. 
Sturmsührer Vollheye überreichte den Siegern wert 
volle Preise. 
Die Fugend feierte am 20. und 21. Funi 1936 
ihr Sonnenwendfe st, das mit Wettkämpfen 
verbunden war. Fungen und Mädel rangen um den 
Sieg ihrer Einheit und um die Siegernadel. Am 
Albend wurde am Schlageterkreuz in Melsungen 
ein riesiger Holzstoß abgebrannt. Fanfarenklänge, 
Gesänge und Einzelsprecher lösten sich ab. während 
die reinigende Flamme gen Himmel schlug. Sonntag 
mittag fand eine Stadtstaffel statt, die mit Hinder 
nisrennen, Schwimmen durch die Fulda, Radfahren 
lind Laufen verbunden war. Der Arbeitsdienst mar 
schierte auf dem Marktplatz auf, um an den inner 
halb jedes Gaues stattfindenden Staffelläufen teil 
zunehmen, die zu dem gemeinsamen Feuer des Ar 
beitsgaues 22 auf der Herchenhainer Höhe im Bo- 
gelsberg führten. Drei Staffeln (von Hersfeld, Efch- 
wege und Kassel- liefen in Melsungen ein und drei 
Bläser kündeten ihr Eintreffen an. Der Führer der 
Melsunger Abteilung fügte den Stäben die Melsun- 
ger Urkunde bei. Dann fiel der Startschuß. Die 
Strecke nach Homberg wurde in 40 Min. durchlaufen. 
Vom 1. bis 16. August 1936 fanden in Berlin 
die XI. Olympischen Spiele statt. 53 Nationen 
hatten ihre besten Kämpfer entsandt, die unter dem 
Fubel von hunderttausend sportbegeisterten Menschen 
ihren feierlichen Einzug in das neuerbaute Olympia 
stadion auf dem Reichssportfeld hielten. Der Führer 
wohnte fast täglich den Kämpfen bei und unter sei 
nen Augen zeigte sich Deutschland als die beste 
Sportnation. 33 Goldmedaillen, 26 Silbermedaillen 
Die Melsunger Sladtfahne in Berlin. 
Anläßlich der Olympischen Spiele 1936 wurde auf der Prachtstroße ! 
„Unter den Linden" auch die Fahne von Melsungen mit dem Stadt- I 
wappen und einem Bild des Rathauses gezeigt. 
(Foto: W. Kairies.) 
und 30 Bronzemedaillen errangen die deutschen \ 
Sportler im harten Kampfe gegen die Besten der j 
Welt. Sie schoben damit die Amerikaner, die in 
Los Angeles 1932 an der Spitze standen, an die 
zweite Stelle zurück. Aus Los Angeles war Deutsch 
land nur mit 3 Gold-, 13 Silber- und 4 Bronze- ! 
Medaillen nachhause gefahren. Die großartige Or- j 
ganifation der Berliner Spiele erregte das Erftau- l 
nen der ausländischen Besucher. Aber nicht nur die | 
Reichshauptstadt hatte sich festlich geschmückt, son 
dern ganz Deutschland prangte im Schmuck der 
Flaggen. Ein ganzes Volk nahm teil an diesem i 
Friedensfest. Vom Berliner Schloß bis zum Reichs 
sportfeld war in einer Länge von 15 Kilometern i 
durch besondere Ausschmückung eine „Via trium- ! 
phalis" geschaffen worden. „Unter den Linden" ! 
wehten die Banner von 300 deutschen Städten. ' 
Darunter befand sich auch die Fahne von Mel- i 
sungen. Die an den Masten angebrachten Städte- i 
bilder zeigten allen Fremden die Schönheit der 
deutschen Heimat. Wir standen im Blickfeld der 
ganzen Welt, und stark in der Hoffnung, daß es 
uns mit diesem Fest des Friedens gelungen ist, 
die Welt davon zu überzeugen, daß Deutschland 
das Land ist, in dem der olympische Geist siegreich 
zum Durchbruch kam, gehen wir der Zukunft entgegen.
	        

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