Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

Zum nationalen Feiertag des deutschen 
Volkes am 1. Mai 1936 ruhte wieder alle Arbeit. 
Zwischen reich geschmückten Häusern bewegten sich 
frohe Menschen. Fahnen flatterten im frischen 
Winde. 2n Melsungen holte am Borabend die 
Hitlerjugend den im Stadtwalde geschlagenen Mai 
baum in festlichem Zuge ein, um ihn am Marktplatz 
unter Spiel und Gesang aufzurichten. 2n der Frühe 
des 1. Mai rollte der Trommelwirbel der Feuer 
wehrkapelle durch die Stadt. Die Flöten lockten: 
Freut euch des Lebens. Die Gesangvereine weckten 
die Schläfer mit frischen Gesängen. Um 8 Uhr 
marschierten die Gliederungen der gesamten Staats 
jugend auf dem Marktplatz auf, um unter dem Mai 
baum Zeuge der großen Fugendkundgebung in Ber 
lin zu fein. 2m Mittelpunkt des Tages stand der 
große Maifestzug aller schaffenden Volksgenossen. 
An der Spitze des Zuges fuhr die junge Mai 
königin, von ihrer jungen blumengeschmückten Ge 
folgschaft umgeben. Festwagen der Fndustrie, des 
Handwerks, der Bauernschaft und der NS.-Gemein- 
schaft „Kraft durch Freude" belebten das Bild. 
Die Standartenkapelle und die Spielmannszllge des 
Arbeitsdienstes, der HF. und der Feuerwehr sorg 
ten für flotte Marschmusik. Nach dem Aufmarsch 
am Marktplatz begrüßte Kreispropagandaleiter Topp 
bie Bolksgenoffen, um dann die Ehrung der Sieger 
aus dem Reichsberufswettkamps vorzunehmen. Die 
Arbeitsveteranen hatten wieder auf Stühlen ihren 
Ehrenplatz erhalten. Aus dem Großlautsprecher er 
klangen die ersten Töne. Aus Berlin wurde die 
Feier mit der Rede des Führers übertragen. Nach 
Beendigung der gewaltigen Kundgebung in Berlin 
befolgte man das Motto des Tages: Freut euch des 
Lebens. 2n den Lokalen fanden sich die Gefolg 
schaften mit ihren Betriebsführern zu Tanz und 
fröhlicher Unterhaltung zusammen. Auch in den 
übrigen Ortsgruppen des Kreises wurde der 1. Mai 
mit der Errichtung des Maibaumes, Umzügen, 
Volkstänzen und Belustigung aller Art festlich be 
gangen. 
Nach dem neuen Reichsjagdgesetz vom 3. Fuli 
1934 ist es die Aufgabe der Fäger, die Wildbe 
stände artenreich, stark im Einzelaufbau und ge 
sund zu erhalten. Diesem Ziel dienen auch die all 
jährlich in den Fagdkreisen des Reiches stattfin 
denden Geweih- und Gehörnausstellungen. Sie sol 
len ein genaues Bild über den Abschuß im letzten 
Jahre geben. Die am 10. Mai 1936 im Feierabend 
haus in Melsungen veranstaltete Zagdtro- 
phnenausstellung war mit 22 Geweihen und 
234 Gehörnen beschickt und gab ein sehr lehrreiches 
Bild über den Stand des Wildes im Kreise Mel 
sungen. Zum Fahresappell der Füger des Kreises 
am Nachmittag war auch der Gaujägermeister Nelle 
aus Kassel erschienen. Der neue Kreisjägermeister 
Kaufmann-Eubach gedachte des ersten Kreisjäger 
meisters Dr. Fr. Braun, der sein Amt wegen Weg 
zugs niederlegen mußte, und besprach die jagdlichen 
Belange. Der Gaujägermeister berichtete über neue 
Hochzuchtversuche und Kreisleiter Dr. Reinhardt 
hob das Bestreben des Reichsjagdgesetzes hervor, 
auch im Wildbestand wieder die Reinheit des 
Blutes zu schaffen. Das Hörnerkorps der Forst 
schule zu Spangenberg brachte im Garten des Feier 
abendhauses sämtliche Signale einer Treibjagd zu 
Gehör und erntete dafür den Beifall aller Fäger. 
Auf dem Marktplatz wurde auch den Einwohnern 
der Stadt ein Ständchen gebracht. 
Fn dem Bestreben, den Heilige nberg wie 
der zum Mittelpunkt der Himmelfahrtswanderungen 
zu machen, führte der Heimatschutzverein Gensungen 
am 21. Mai 1936 auf der neuangelegten Frei 
lichtbühne des Heiligenberges ein Bolksstück 
auf, das den Rechtssinn des Volkes widerspie 
gelte. Den Platz für die Bühne hatte man vor 
trefflich gewählt. Rechts vom Heiligenberg war 
zwischen kerzentragenden Kiefern das Spielfeld lieb 
lich eingebettet. Der Zuschauerraum, gleichfalls von 
Kiefern dicht umstanden, gestattete den Zuschauern, 
sich bequem im Grünen auszustrecken. Eine bunte, 
festliche Gemeinde saß und stand, während es am 
jenseitigen Hügel geheimnisvoll hinter den Büschen 
geisterte, wo die 'Mitwirkenden in bunten Reiter 
trachten und sackleinenen Kitteln herzklopfend des 
feierlichen Augenblicks des Anfangs harrten. Hör 
nerklang verkündete den Beginn der Feier. Der 
örtliche Leiter der Freilichtspiel-Bewegung, Dr. 
Prinz, hieß die Erschienenen herzlich willkommen, 
worauf Landrat Freiherr von Gagern das Wort 
nahm und daran erinnerte, daß man am Heiligen 
Berge auf heiligem deutschen Boden stehe. Bor 
mehr als einem Fahrtausend kamen unsere Alt 
vordern hier zusammen zu Gottesdienst und Volks 
thing. Viele Fahrhunderte hindurch ivurden feste 
Burgen gebaut, um sie gekämpft und sie zerstört. 
Die Trümmer der alten Burgen sollen nun wieder 
festgemacht und für weitere Fahrhunderte erhalten 
werden als Ehrenmal für die im Weltkriege gefal 
lenen Toten unseres Melsunger Kreises. In künf 
tigen Fahren wird der große, vom Führer einge 
leitete Bau unserer Retchsautostraßen die Besucher 
hierherführen, daß sie die Schönheit unserer hessi 
schen Landschaft bewundern können. Deutschland- 
und Horst Wessellied beschlossen den Weiheakt. 
Zwischen den grünen Büschen des Spielfeldes er 
schienen oberösterreichische Bauern, um ein Spiel 
aus der Geschichte unserer Väter „Anno 1627" zur 
Aufführung zu bringen. Wir erleben die Uneinig 
keit der Bauern, solange sie ohne eigentlichen Füh 
rer sind, und ihre Stärke und Besonnenheit, nach 
dem Stephan Fadinger zu ihnen predigt und den 
Tag des Losschlagens bestimmt. Mit seinem Tode, 
dem der Sieg das Bauernheeres voraufgeht, endet 
das Spiel, das unter Leitung von Walter Kramer 
durch die echte Begeisterung^ der Spieler, die un 
geschminkt und in ärmlicher Landtracht das Schick 
sal des leidenden Bauerntums darstellten, einen vol 
len Erfolg erzielte. Nach dem Spiel eilten die Zu 
schauer in hellen Scharen auf den Festplatz, wo bis 
zum Einbruch der Nacht noch fröhliches Treiben 
herrschte. 
Am Sonnabend, den 20.. und Sonntag, den 
21. Funi 1936, wurde in Melsungen der erste 
kurhesjische Aerztetag abgehalten. Sonn 
abend nachmittag fanden Sonderbesprechungen der 
Fachgruppen statt, die in einem Kameradschaftsabend 
im Feierabendhaus endeten. Sonntag vormittag war 
der große Saal des Feierabendhaujes mit den An 
gehörigen des Aerztestandes bis zum letzten Platz 
gefüllt, als der Führer der kurhessischen Ärzte 
schaft, Kreisleiter Dr. Reinhardt, den ersten kur 
hessischen Aerztetag eröffnete und der Toten des 
Weltkrieges, insbesondere der 2000 gefallenen 
Aerzte, und der Opfer der Bewegung gedachte. 
Der Kreisleiter begrüßte unter den Ehrengästen be 
sonders den Reichsärzteführer Dr. Wagner-München 
und dankte ihm dafür, daß er der deutschen Aerzte-
	        

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