Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

derungen gestellt, die selten gebührend gewürdigt wer 
den. Der Kranke darf nicht an den allgemeinen Mahl 
zeiten teilnehmen. Für ihn muß immer ein Extra- 
süppchen auf dem Ofen stehen. Gegen den mangelnden 
Appetit müssen alle, Kräfte einer schmackhaften Küche 
zu Felde ziehen. Die Lust am Essen fehlt bei allen 
fiebernden Krankheiten. Bei akuten, schnell vorüber 
gehenden Erkrankungen ist Appetitlosigkeit nichts Ge 
fährliches. Die kurze Zeit des Fastens schadet nichts. 
Man stillt den Durst der Kinder mit Milch, Tee oder 
Kakao unter reichlichem Zuckerzusatz. Die verlorenen 
Kräfte und das gezehrte Gewicht holt der Genesende 
schnell wieder ein. Man wird ihm zunächst nur leichte, 
anregende Speisen reichen. Beliebt ist als erste Kran 
kenkost die Fleischbrühe, deren Nährwert durch kräf 
tigende Einlagen erhöht werden kann. Ein Gläschen 
28ein regt die Eßlust ebenfalls an. Bald kehrt der 
Geschmack wieder zurück. Der Kranke, dem zunächst 
alles fade schmeckte, äußert selbst seine Wünsche. Meist 
kann man sie ihm ohne Bedenken erfüllen, weil aus 
seinen bisweilen absonderlich erscheinenden Wünschen 
ein gesunder Instinkt spricht. Bei langwierigen, zehren 
den Krankheiten muß dagegen gegen die fehlende Eß 
lust ein ständiger Kampf geführt werden, damit der 
Kranke nicht völlig von Kräften kommt. 
Die Mutter sollte über die Erscheinungen und die 
Gefahren der wichtigsten Krankheiten unterrichtet sein. 
Ein falsches Urteil über die Bedeutung der Masern 
lebt immer noch im Volke. 
Da die Masern die häufigste Kinderkrankheit 
sind und im Verhältnis zur Zahl der Erkrankten 
wenig Opfer fordern, hält man sie geradezu 
für unschädlich. Für den Säugling und das Kleinkind 
in den ersten drei Lebensjahren sind die Masern 
jedoch eine lebensgefährliche Krankheit. Sie erhöhen 
auch die Bereitschaft für eine tuberkulöse Infektion. 
Daher muß die Mutter auf eine Trennung der kleinen 
und schwächlichen Kinder von dem erkrankten Kinde 
Obacht geben. 
Bei den Masern ist auch das Abblenden des 
Lichtes im Krankenzimmer eine durchaus über 
flüssige Gewohnheit. Ist sich die Mutter über die Natur 
der Krankheit und über die Behandlung nicht im 
klaren, erspart sie sich vielen Kummer, wenn sie recht 
zeitig den Arzt ruft. Von der glücklichen und ver 
trauensvollen Zusammenarbeit von Mutter und Arzt 
hängt das gesundheitliche Wohl der Familie ab. Alle 
Anordnungen des Arztes können nur dann richtig 
wirken, wenn ihn die Mutter unterstützt, die die 
berufene Krankenpflegerin im Hause ist. ür. med. Ulrich 
Kindermund 
In der Schule wird der Herbst be 
handelt. Das Fräulein fragt: „Wer 
kann mir sagen, wie das aussieht, 
wenn alles kahl wird?" Da steht 
Klein-Edith auf und sagt: „Grad' 
wie mein Vater." 
Fränzchen hat ein neues Märchen 
buch bekommen. Er buchstabiert: 
„Dornröschen fiel in einen liefen S .. 
Sch . . l" „Schlaf" ergänzt der Vater. 
„Ach, Du kennst die Geschichte schon!" 
ruft Fränzchen enttäuscht. 
„Vati, warum heißen denn die 
Buben von Onkel Max alle August?" 
— „Wieso denn Kurte! ?" — „Er hat 
doch gestern geschrieben: Wir haben 
heute, den 23. August, einen kräftigen 
Buben bekommen." 
„Weißt Du auch Mäxchen, was mit 
den Kindern geschieht, die die Unwahr 
heit sagen r' — „Ja, Mutter, sie 
fahren zum halben Preis!" 
Der kleine Erich fragt: „Vati, was sind das für 
Drähte längs der Landstraße?" — „Das ist für die 
Telegraphie." — „Vati, und warum sind auf der 
anderen Seite der Landstraße keine Drähte?" — 
„Das wird wohl für die drahtlose Telegraphie sein, 
mein Sohn!" 
Theo hat einen Apfel bekommen, setzt sich vor 
den Spiegel und ißt ihn langsam und mit Behagen. 
Befragt, warum er diese Prozedur ausgerechnet vor 
dem Spiegel vornimmt, erwidert Theo: „Dann ist 
mir, als ob ich zwei äße." 
„Warum hat der Seeoffizier einen Dolch, Mama?" 
— „Damit er in See stechen kann, Erna!" 
„Weißt Du, wo die kleinen Jungen hinkommen, 
die ihr Geld nicht in die Sparbüchse tun?" — „Ins 
Kino, Mutti." 
Lottchen: „Wir behandeln unsere Klavierlehrerin, 
als ob sie zur Familie gehörte." — Gretchen: „Das 
dürfen wir nicht, wir müssen zu unserer sehr höf 
lich sein." 
Peterchen hat die ersten Höschen an. Als die 
Familie stolz mit ihm zum Sonntagspaziergang das 
Haus verlassen hat, sagt das Haupt der Familie: 
„Ich tät lachen, wenn dem Buben in seinem neuen 
Staate was passierte." — Darauf Peterchen: „Papa, 
dann lache nur."
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.