Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 18.1937)

wie ihr Kind am besten zu beschäftigen ist. Anstren 
gend und ermüdend sollen die Spiele nicht sein. Die 
meisten Kinder unterhalten sich mit den einfachsten 
Spielsachen am schönsten. Gern sitzen sie in ihrem 
Bettchen mit einer Puppe, oder sie bauen aus Klötzchen 
Türme hoch und höher, bis ihre Kunstwerke wieder 
zusammenstürzen. Die Kinder wissen sehr wohl, daß 
ihnen ungern etwas abge 
schlagen wird, solange sie 
krank sind. Verwandte und 
Bekannte tun dann das 
Ihre, um den Patienten zu 
verwöhnen. Die kostbarsten 
Spielsachen werden herbei 
geschafft und um das Bett 
chen aufgestapelt. Wer spie 
lende Kinder öfter beob 
achtet, wird wissen, daß es 
bei ihren Spielen weniger 
auf den Gegenstand als auf 
die Phantasie ankommt, 
mit der sie diesen Gegen 
stand umgeben. Ein Holz 
scheit kann für sie zur 
schönsten Puppe werden. 
Man braucht daher durch 
aus nicht den kleinen Pa 
tienten mit teuren Spiel 
sachen zu überhäufen. Aber 
man muß etwas nachdenken, 
wie man ihn erheitern und 
sinnvoll unterhalten kann. 
Spielsachen, mit denen Kin 
der während ansteckender 
Krankheiten, wie z. B. bei 
Scharlach und Diphtherie, 
gespielt haben, werden nach 
der Genesung am besten 
verbrannt, um eine er 
neute Ansteckungsmöglich 
keit mit Sicherheit zu ver 
meiden. 
Ihren ganzen Einfluß, 
all ihre Ueberredungs- und 
Unterhaltungskunst muß die 
Mutter aufwenden, wenn 
es einmal der Dauerheilung 
wegen gilt, ein sich völlig 
gesund fühlendes, lebhaftes 
Kind im Bett zu halten. 
Nur eine kluge und verstän 
dige Mutter bringt so etwas 
fertig. Solch eine Behand 
lung kann notwendig sein, 
wenn man die schlimmen 
Folgen der „Nachkrankhei- 
ten^ verhüten will. Gefürch 
tet ist die Nierenschädigung 
nach dem Scharlach. Allein 
durch Ruhe und Diät ist sie 
auszuheilen. Für die Herz 
krankheiten, die im Gefolge 
eines Rheumatismus sich 
einstellen können, gibt es 
leider kein besseres Heil 
mittel als lange Bettruhe. 
Man hat vorgeschlagen, die 
Kinder mit einem rheuma 
tischen Herzleiden ein gan 
zes Jahr streng im Bett zu 
halten, um jede erhöhte Anstrengung dem erkrankten 
Herzen zu ersparen. Da die Kinder keine Schmerzen 
haben und sich im Bett meistens sehr wohl fühlen, 
bleibt es ein Kunststück, sie vom Aufstehen abzuhalten. 
Bringt das eine Mutter fertig, so darf man ihr das 
höchste Lob aussprechen. — An die Kochkunst der 
Hausfrau werden während der Krankenpflege Anfor 
Zeichnung C. Mikelait 
Die ersten Weihnachtsbestellungen. Knecht Rupprecht am Fernsprecher
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.