Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 16.1935)

Der junge Händel — mit 12 Jahren nach 
Berlin berufen — spielt vor Sophie Char 
lotte, der Mutter des Soldatenkönigs. 
gegen seine Neigung das Goldschmiedehandwerk erlernen. Erst nach Be 
endigung seiner Lehrzeit setzte er es durch, zu einem Maler in die Lehre 
gehen zu dürfen, und dann folgten noch lange Jahre schweren Kampfes, 
bis ihm die Sonne des Erfolges schien. Doch hat seine entbehrungs 
reiche Jugend ihm sicherlich keinen Abbruch 
an der Größe seines künstlerischen Schaffens 
getan, sondern die Widerstände und Schwie 
rigkeiten, die er zu überioinden hatte, scheinen 
seine Kraft gestärkt und seinen Willen ange 
feuert zu haben. 
Ein anderer begnadeter Künstler, Wolf 
gang Amadeus Mozart, hat ebenfalls bereits 
in seiner Kindheit den Ernst des Lebens 
kennengelernt. Sein Vater, der zuerst Kammer 
diener eines Grafen von Thurn war, trat 
später als Geiger in die Hofkapelle in Salz 
burg ein. Statt wie Albrecht Dürer erst die 
Widerstände seines Vaters besiegen zu müssen, 
wurde der junge Wolfgang Amadeus von 
seinem Vater schon in frühester Jugend förm 
lich zur Musik gedrillt. Dies kam zwar der 
Begabung des Kindes entgegen, doch wurde 
er durch die Strenge des Vaters allzu früh 
aus dem Paradies der Kindheit vertrieben. Vom sech 
sten Jahr an hat er bis zu seinem Tode fast ohne 
Unterlaß gearbeitet. Neben seinen! Fleiß war ihm 
der Gehorsam gegen den ziemlich tyrannischen Vater 
im Uebermaß anerzogen. „Nach dem lieben Gott 
kommt gleich der Papa!" lautete eine bekannte 
Stelle in'seinem Briefwechsel. Noch nicht siebenjährig 
tritt Wolsgang Amadeus mit der fünf Jahre älteren 
Schwester und unter der Leitung seines Vaters große 
Konzertreisen an, die ihn bis nach Wien, Paris und 
London führen. Der Wunsch des Vaters, die Begabung 
seiner Kinder, vor allem das Genie seines Sohnes, so 
fchnell wie möglich dem Gelderwerb dienstbar zu 
machen, war dabei ebenso ausschlaggebend wie die 
väterliche Eitelkeit, mit der er sich im frühen Ruhm 
seines Sohnes sonnte. Obwohl das zarte Kind körper 
lich den Anstrengungen des ruhelosen Wanderlebens 
nicht gewachsen war und seine Gesundheit verhäng 
nisvoll untergraben wurde, erfüllte Mozart im Gegen 
satz zu den meisten Wunderkindern alle Erwartungen, 
die auf ihn gesetzt wurden, und beschenkte Deutschland 
und die ganze Kulturwelt mit einer großen Reihe der 
herrlichsten Musikschöpfnngen. 
Im Hause des Sattlermeisters Kant zu Königs 
berg wuchs mit acht Geschwistern Deutschlands größ 
ter Philosoph Immanuel Kant heran. Seine Eltern 
waren einfache, schlichte Persönlichkeiten. Dem Vater 
gelang es nur unter den größten Anstrengungen, von 
seiner Familie die schlimmsten Sorgen fernzuhalten. 
Beide Eltern waren überzeugte Pietisten, doch nicht 
vom Schlage der Duckmäuser, sondern von echter 
tzerzensfrömmigkeit erfüllt. So wuchs der junge Kant 
in einer Umgebung auf, die in der Tugend die wesent 
lichste und bedeutendste Seite des menschlichen Lebens 
sah. Der Seelsorger seiner Eltern, Franz Albert 
Schulz, wurde auf die reiche Begabung des Knaben 
aufmerksam, und auf seine Veranlassung trat Imma 
nuel Kant in das Collegium Fridericianum ein. Noch 
im Alter hat Kant dankbar dessen gedacht, was er 
auf jener Anstalt lernte. 
Unabhängig von äußeren Umständen bricht das 
Genie sich Bähn. Die Geschichte lehrt uns, daß 
großen und bedeutenden Menschen nur selten eine 
sorglose, unbeschwerte Kindheit zuteil wurde, daß sich 
ihr Nährboden jedoch fast ohne Ausnahme im Kreise 
einer zahlreichen Familie befand. 
Bei Beschränkung der Kinderzahl geht viel wert 
volle Erbmasse verloren, durch welche die Aussicht 
eines Volkes, Genies hervorzubringen, ganz be 
deutend herabgesetzt wird. 
Gute Ratschläge: Vom Seitenstechen und was man dagegen tut 
ald vorübergehende stechende Schmerzen in einer Brust- 
seite werden meist veranlaßt durch eine ungewohnt 
große körperliche Anstrengung oder durch eine schnelle und 
ungeschickte Bewegung, z. B. beim Heben von Lasten, beim 
Hochrichten oder Emporstrecken von schweren Gegenständen- 
Auch beim ungewohnten Bergsteigen (Treppensteigen) und 
schnellen Laufen können Seitenstiche eintreten, namentlich 
wenn dabei mangelhaftes und falsches Atmen stattfindet, 
— man kommt „ganz außer Atem", — während es bei 
lungenkräftigen Personen, die öfter Tiefatmungen vor 
nehmen, niemals vorkommt. Wenn die Atmungs- und 
Blutkreislauforgane an derlei große Anstrengungen und Be 
wegungen nicht gewöhnt und ihnen nicht gewachsen sind, 
entsteht innere Blutstauung und veranlaßt solche Schmerzen. 
Ferner können auch wirkliche Erkrankungen die Ursache sein. 
Und zwar befindet sich der Sitz des Uebels nur ober 
flächlich und wird veranlaßt durch entzündliche Vorgänge in 
den Brustmuskeln (Muskelrheumatismus) oder in den 
Zwischenrippennerven (Neuralgie). 
Die Schmerzen können aber auch hervorgerufen werden 
durch entzündliche Erkrankung in der Brust- öder Bauchhöhle, 
z. B. bei Entzündung des Brustfells, Rippenfells, Herz 
beutels, der Leber oder Milz. Wenn daher Bruststich« 
längere Zeit anhalten und sich gar verschlimmern, soll man 
unbedingt den Arzt zu Rate ziehen, da nur er durch Be 
tasten, Beklopfen und Behorchen des Brustkastens die eigent 
liche Ursache ermitteln und Heilung verschaffen kann. 
Im allgemeinen muß beim Auftreten von Seiten 
stichen sofort mit einer etwaigen schweren Arbeit oder körper 
lichen Anstrengung (Laufen) aufgehört werden. Man lege 
sich ruhig hin oder setze sich aufrecht, lockere die Kleider und 
atme tief und langsam. Besonders sei man stets auf Re 
gelung der Verdauung (leichter Stuhlgang) bedacht zur 
Verhütung von inneren, schmerzhaft drückenden Anschop 
pungen und Stauungen. Manche Personen, die sich wegen 
Bruststichen schwermütigen Gedanken hingeben, werden durch 
ein tüchtiges Abführmittel schnell vollkommen geheilt. 
Im übrigen bildet ein altbewährtes Haus- und Heil- 
»rittel gegen Seitenstiche, das man stets zunächst anwenden 
nröge, der Senfteigumschlag. Man verrührt Senfmehl mit 
warmem Wasser zu einem dicken Brei und streicht ihn 
fingerdick auf Leinwand. Diese wird dann in der gewünschten
	        

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