Volltext: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 16.1935)

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berg bestände aus Basalt, wie oben draus, der irrt 
sich. Hier unten, 120—150 Meter tief, besteht der 
stolze Berg nur aus Ton und Sand! Es ist schon 
eine mühevolle Arbeit, den zähen Ton Hacke für 
hacke abzuschlagen. Um schneller voran zu kommen 
wird auch gesprengt. Wasser gibts gottlob nur sel 
ten, ein Porteil der Zeche, denn alles Wasser muß 
bekanntlich unter großem Kostenaufwand ausgepumpt 
werden. 
Nachdem wir der Arbeit eine kurze Zeit zuge 
schaut haben, wird die „Rückfahrt" angetreten. Eine 
kalte Zugluft schlägt uns entgegen, weil der Venti 
lator im Luftschacht vorzüglich absaugt. Unser Wis 
sensdrang ist aber noch nicht erschöpft, wir wollen 
dorthin, wo die Kohle wirklich gewonnen wird. 
Unter Führung des Obersteigers gehts nun den 
Tahrschacht auf 6 steilen Leitern hinauf ins Koh 
lenflöz. Es ist verteufelt eng hier und die Anzüge 
werden braun, aber auch die Köpfe von den Voran 
steigenden. Besonders ein Kahlkopf schien nachher 
am Tageslicht braune Haare bekommen zu haben, 
soviel Kohlenstückchen zierten sein Haupt. Feder 
war froh, als er mit der Grubenlampe in der Hand 
: die 6 Leitern hoch war. Wieder gings in einem 
Stollen vorwärts. Hier wurde es schon wärmer und 
niedriger, oft mußte man den Rücken ungewohnt 
krumm machen. Die Schweißtropfen perlten. Hier 
war auch nichts mehr ausgemauert, sondern Holz- 
l stützen und Verschalung rechts und links. Mitten im 
Kohlenflöz gings entlang bis wir Hämmern hörten 
und ein Licht schimmern sahen. Vor uns tauchen 
zwei Bergleute auf, der eine, der Hauer, hackte die 
Kohle von den Wänden und der Decke, der andere, 
der Schlepper, schippte sie in die Lore. Hier ist 
es mollig warm. Welche Hochachtung muß man 
doch vor diesen Bergknappen gewinnen, wenn 
man einmal selbst gesehen hat, wo und 
wie tief in der Erde die Kohle gewon 
nen wird, damit wir im Winter in der 
warmen Stube sitzen oder täglich unsere 
Mahlzeit gekocht oder fein gebraten ver- 
i zehren können. Wer da noch über seine 
; „saure" Arbeit im Büro, der Werkstatt, 
im lichten farbenfreudigen Verkaufsraum 
oder auch in der freien Natur schimpft, 
der sollte nur einmal 8 Stunden wie 
diese Ritter der Arbeit hier unten schaf 
fen: 40—50 Wagen in einer Schicht! 
Gern wird er „geheilt" wieder ans 
Tageslicht steigen und arbeiten, arbei- 
ien, arbeiten! Wir unterhalten uns mit 
i den Arbeitern. Der Lohn ist wahrlich 
nicht üppig, aber sie sind zufrieden, 
heuen sich, daß sie arbeiten und ver 
dienen können. Früher kaum 10, sind 
es heute mehr als 70 Männer, die aus 
; dem Schoße des Heiligenberges die 
lebensnotwendige Kohle herausholen. 
Mit einem aufrichtigen Glückauf verlas 
sen mir wieder die' geschwärzten, tapfe- 
ten Bergarbeiter. Bor uns und hinter 
; uns rieselt Kohle und Erde aus dem 
: Stollen. Wieder geht es die Leitern 
hinab bis zum Hauptstollen. Da wir 
mehr als warm geworden sind, gehts 
gegen die scharfe Zugluft im strammen 
schritt dem Ausgang zu. Der Ausmarsch 
»scheint fast länger als die Einfahrt. 
Endlich find wir wieder im Licht der 
Sonne, geblendet von der Lichtesfülle. Tief atmen 
wir die Bergluft und genießen in vollen Zügen 
nach der Wanderung im dunklen Berg die herrliche 
Aussicht in die hessische Bergwelt! — 
Fetzt machen wir noch einen Rundgang durch die 
oberirdischen Werksanlagen. Fm neuen Maschinen 
haus, wo Dampfmaschine und Dynamo ihr ehernes 
Lied singen, ist es blitzsauber, das neue Werkstatt- 
gebäude ist gut eingerichtet. Sehr interessiert uns 
die Bunker- und Beschickungsanlage der Drahtseil 
bahn, wo Wagen auf Wagen zu Tal schwebt. 
Nachdem wir noch die sauberen Wasch- und 
Umkleideräume mit Badewannen und Duschen besich 
tigt haben, ziehen wir die Bergmannskittel wieder 
aus und waschen von Kopf und Händen den Koh 
lenstaub herunter. Der Trauerrand unserer einst 
weißen Stehkragen läßt sich aber nicht beseitigen. 
Fn der Bunker-, Sieb- und Verladeanlage am 
Bahnhof Gensungen ist ebenfalls alles aufs mo 
dernste eingerichtet. Die Siebanlage sortiert die 
Kohle in Fein-, Mittel- und Stückkohle. 
Fedem Verbrauch erbedürfnis ist hier 
Rechnung getragen. Auf der einen Seite des 
hochragenden Baues rutscht die Braunkohle in die 
Eisenbahnwaggons, auf der anderen in die Last 
wagen und Fuhrwerke. Die Bauern des Eddertales 
brauchen jetzt nicht mehr die Kohlen oben an der 
Zeche abzuholen und lange auf Abfertigung bei star 
kem Andrang zu warten, sondern an der bequem zu 
erreichenden Bahnverladestelle wird jeder Kunde 
schnell bedient. 
Gewaltige Summen sind in den Neuaufbau der 
Zeche Heiligenberg, die zum Besitz der A.-G.- 
Braunkohlenwerke Möncheberg und damit der Hen- 
schel & Sohn A.-G. Kassel gehört, investiert wor 
den; kostet doch jeder Stollenmeter 100 Mark. Die 
Zeche Helligenberg: 2m Kohlenflöz, Abbau unter Tage.
	        

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