Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 16.1935)

beitrage zur Geschichte ües Schlosses zu Welsun-en. 
Von Dr. Ernst Wenzel, Berlin. 
Im Handbuch 1925 hat Dr. Phil. L. Armbrust 
einen Aussatz über das Melsunger Schloß gebracht, 
aus dem wir erfahren, daß das Melsunger Schloß 
die dritte derartige Anlage in der Stadt Melsungen 
ist. Wir erfahren dabei auch höchst interessante 
Vorgänge betreffend die Vorbereitungen zum Bau, 
Ankauf von Grundstücken als Bauplatz beim Kas 
seler Tor, fürstliche Besuche durch den Sohn des 
Landgrafen Philipp, den nachmaligen Landgrafen 
Wilhelm IV. und seine Gemahlin, von der inneren 
Ausstattung des Schlosses mit Stückarbeiten, der 
Verwendung von Augsburger Glas zu den Fenstern, 
von der Verwendung des Schlosses zur Forstlehr 
anstalt von 1826 bis 1868, als Landratsamt und 
Dienstwohnung des Landrats und Oberförsters, von 
steinernen Tafeln mit dem hessischen Wappen von 
1555 bis 1556 und einem jetzt leider übertünchten 
Wappen im Schloß selbst. 
den Thron von Hessen am 25. und 26. Februar 
mit 12 Pferden sich in Melsungen aus, das ihr 
im Mai 1500 mit dem Schloß und Gericht zufiel 
und nach ihrem Tode dem Landgrafenhaus wieder 
zufallen sollte. Sie erhielt aber lediglich die Ein 
künfte daraus, soweit sie in einem beigefügten 
Register standen. Dabei legte man einen möglichst 
hohen Iahressatz der Einnahmen zugrunde und 
bürdete der Landgräfin die Kosten der Verwaltung 
und Eintreibung aus. Von der Jagd standen ihr 
nur Hasen und Rehe zu,- dazu wollte ihr aber 
ihr Schwager, der regierende Landgraf Wilhelm ll., 
20 Hirsche liefern. Aus dem herrschaftlichen Forst 
durfte sie Baum- und Bauholz entnehmen, soweit 
cs zu notwendigen Bauten am Schloß gebraucht 
werden sollte. Somit übernahm die Exlandgräfin 
auch die bauliche Unterhaltung des längst baufällig 
gewordenen Schlosses, während sich der regierende 
Das Melsunger Landgrafenschloß, Grabenseite 
Ueber das Haus des Burggrafen hören wir, 
daß dasselbe um die Mitte des 16. Jahrhunderts 
entstand und mit dem Tode des letzten Burggrafen 
1737 dem an feine Stelle getretenen Rentmeister 
und dem Kreisboten als Wohnung diente. 
Ueber den Marstall berichtet der Verfasser, daß 
derselbe laut Inschrift 1577 gebaut wurde und von 
1790 bis 1826 die Pferde der Garnison aufnahm. 
Das Amtsgericht am Renthof war im 18. Jahr 
hundert die Renterei mit der Wohnung des land- 
gräflichen Rentmeisters, und im Erdgeschoß befan 
den sich die dazu gehörigen Nebenräume wie Brau-, 
Backhaus und Stallung. 
Das Pförtnerhaus wurde 1830 abgebrochen und 
an feine Stelle der große Kumpf gesetzt, der früher 
jenseits der Straße lag. 
Diese Ausführungen Dr. Armbrusts möchte ich 
noch ergänzen und zwar einmal durch Nachrichten 
über fürstlichen Besuch und fürstliche Wohnungen im 
Schloß, dann aber auch durch eine Schilderung des 
Schlosses als Kaserne. 
Nach Melsunger Amtsrechnungen von 1494 hielt 
die Landgräfin Anna, die Gemahlin des Landgrafen 
Wilhelm l. nach dem Verzicht ihres Gemahls auf 
Landgraf 'nicht mehr um das Schloß kümmerte. 
Alles, was zu bessern und zu bauen war, mußte 
Landgräfin Anna bezahlen. 
Wilhelm II. besuchte sie mehrfach in Melsungen 
und gestattete ihr auch eine Zusammenkunft mit 
ihrem geisteskranken Gemahl, der auf Schloß Span 
genberg verwahrt wurde. Die Frucht dieser Zu 
sammenkunft war ihr jüngstes Kind Elisabeth, die 
wahrscheinlich am 11. August 1503 getauft wurde, 
denn damals kam der Landgraf mit großem Ge 
folge und mit dem Herzog Albrecht von Mecklen 
burg nach Melsungen und ging von da zu seinem 
kranken Bruder nach Spangenberg. In den fol 
genden Tagen weilte die alte' Landgräfin mit ihrem 
Schwager in Rothenburg. 
Mit der Zeit mußte die alte Landgräsin ein 
sehen, wie schlecht sie mit ihren Einnahmen aus 
Melsungen gestellt war. Sie geriet in Geldver 
legenheit, suchte auch an den Bauten zu sparen, 
infolgedessen das Schloß mehr und mehr verfiel 
und nicht mehr als Fürstenmohnung gelten konnte. 
Die Einnahmen wurden immer geringer, so daß 
sich Landgrüfin Anna genötigt sah, sich hilfesuchend 
an ihren Schwager zu wenden. Dieser aber, der
	        

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