Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 16.1935)

dann desse Bussiererei mett der Köpperlingschen 
ährer Gans kann ech nett mey mette oahngesähn. 
Auch klopfte er den verstorbenen Gastwirt Karl 
Walther in der Krone auf dem Sand mitten in 
der Nacht heraus mit dem Rufe: „Mäh wunne mo 
tränken, ds Lißchen eß in de Wochen kommen" 
Heine P Frau). 
So konnte ich immer wieder feststellen: „Wie 
die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen", 
„und quakten wie vor alter Zeit". Do helft kenn 
Müllspetzen, do muß gepeffen wären. 
Nach Beendigung meiner Tätigkeit hier, kehrte 
ich dann nach Berlin zurück. Fn dem Strudel der 
Großstadt und im beruflichen Getriebe hatte man 
ja nicht viel Seif zum Rasten, und das sonstige 
inhaltreiche Leben nahm mich auch vollauf in An 
spruch. Wohl verweilte ich gelegentlich mal in der 
St. Hedwigskirche kurz zu stiller Sammlung, in 
den Sorgen des Lebens aber stand ich oft auf 
der Höhe des Viktoriaparks am Besreiungsdenkmal 
Hchwiinke aus üem 
Mitgeteilt von Friedrich Epri, 
1. Der Nachtwächter von Melsungen. 
Im Herbst, wo es gar mancherlei zu schaffen 
gibt in Feld und Wiese, kann man es wohl auch 
einem Nachtwächter nicht verdenken, wenn er lieber 
schläft als die Runde macht. So hatte auch einst 
der Nachtwächter von Melsungen des Tages Last 
und Hitze getragen und mußte doch um 10 Uhr 
abends wieder auf den Beinen sein, um seines 
wichtigen Amtes zu walten, weil ihn seine Amts 
pflicht dazu trieb. Er rief also die zehnte Stunde 
in gewohnter Weise ab und nahm auch der Stadt 
Bestes in jeder Hinsicht wahr. Als er nun wieder 
nach Hause gehen wollte, sah er aus dem Markt 
platz vor dem Wirtsbause „Zum goldenen Löwen" 
eine geschlossene Kutsche stehen, die war ausgespannt 
und bot ein bequemes gepolstertes Plätzchen, sich 
darin um ein Stündchen dem süßen Schlummer 
hinzugeben. „Du könntest dich da hineinsetzen", 
dachte der Bartenmetzer-Nachtwächter, „du bist dann 
um 11 Uhr gleich wieder bei der Hand und sparst 
den weiten Weg nach deiner Wohnung." Gedacht, 
getan. Er setzte sich in die Kutsche und legte sein 
Tuthorn neben sich. Die Luft war so angenehm, 
die Polster und Kissen im Wagen so weich, daß 
er sichs nicht besser wünschen konnte —, es ruhte 
sich hier besser als zu Hause auf der Ofenbank. 
Es dauerte aber nicht lange, da war das Auge 
der öffentlichen Sicherheit eingeschlafen und be 
merkte nichts mehr von dem, was geschah. Nach 
kaum einer Viertelstunde spannte der Kutscher die 
Pferde an und fuhr durch die Söhredörser nach 
Kassel zu. Das Schaukeln des Wagens vertiefte 
noch den Schlaf des Sicherheitsbeamten, und aus 
der ganzen Strecke störte nichts seinen Schlummer. 
Doch als man um 3 Uhr nach Waldau kam, hielt 
der Rosselenker vor der Schenke, um seine Pferde 
etwas ruhen zu lassen. Durch den Ruck beim Hal 
ten erwachte unser Nachtwächter; in der Meinung, 
es könnte jetzt 11 Uhr sein, sprang er schnell aus 
dem Wagen, stieß in sein Horn und verkündete: 
„Hört ihr Herrn und laßt euch sagen, 
Die Glocke hat Else geschlagen. 
von 1813, das Gesicht nach Südwesten geivandt 
und blickte von des Kreuzbergs Spitze „nach dem 
Rauch der Heimat hin". Dies unbezwingliche Seh 
nen nach dem teueren Hessenlande beherrschte mich 
auch immer, aber es sollten noch Jahre vergehen, bis 
es endlich gestillt wurde. 
So standen wir denn an der Schwelle eines 
neuen Jahrhunderts, und ich schließe meine dies 
jährigen Auszeichnungen an dieser Zeitenwende, die 
bald auck eine deutsche Schicksalswende werden 
sollte, rund 100 Jahre nach der Befreiung Deutsch 
lands von fremdem Joch, die 1863 und 1913 noch 
groß gefeiert wurde und wozu 1863 die Freie Stadt 
Bremen silberne „Thaler Gold" mit Lorbeerkranz, 
Eisernem Kreuz mit der Inschrift „Zur 50jährigen 
Jubelfeier der Befreiung Deutschlands" prägen ließ, 
und will im nächsten Jahre die weitere Wanderzeit 
und Heimkehr folgen lassen. 
Melsungen, 11. 5. 1932. Otto Gleim. 
Kreise Melsungen. 
kus Heinlein, Spangenberg. 
Bewahrt das Feuer und das Licht, 
Damit der Stadt kein Schaden geschicht. 
Und lobet Gott den Herrn." 
Das schallte so wunderbar durch die stille Nacht, 
daß die Waldauer erschraken und an die Fenster 
eilten. Vor allem aber mußte der Waldauer Nacht 
wächter nicht, was das bedeuten sollte, da er doch 
soeben dem Dorfe den Morgen verkündet hatte. 
Er eilte also rasch und zornig herbei und verbat 
sich eine Einmischung fn seinen Dienst. Und es 
dauerte eine ganze Zeit, bis man sich verständigte 
und der Melsunger Nachtwächter sich endlich über 
zeugte, wo er denn eigentlich sei. — Seit der Zeit 
hat er sich nie wieder zum Ausruhen in eine 
Kutsche gesetzt. 
2. Die Hasenschützen. 
Ein Mann aus Felsberg war in den Wald 
gegangen, um sich einen Sack Laub zum Streuen 
zu sammeln. Er hielt sich immer am Waldessaum, 
und als er einmal ausruhte, sah er, wie ein Hase 
ganz dicht vor ihm in einer Ackerfurche sich auf 
richtete. Langsam und vorsichtig hob der wackere 
Felsberger seinen Rechen, legte an, zielte und — 
krach! pardauz! — da lag der Hase in seinem 
Blute. Voller Verwunderung eilte das Männlein, 
dem es entgangen war, daß nicht weit hinter ihm 
ein Jäger stand, der auch auf den Hasen angelegt 
und ihn geschossen hatte, hinzu und faßte die 
Beute, um sie in seinem Laubsack verschwinden zu 
lassen. Plötzlich fühlte er einen leichten Schlag 
im Nacken. Der Jäger stand hinter ihm. „Wer 
hat euch denn erlaubt, hier Hasen zu schießen?" 
„Ach, Herr, ich — dachte doch nicht, daß das Ding 
losgehen würde", erwiderte treuherzig unser Fels 
berger Bürger. — Seit dieser Zeit heißen die Fels 
berger die „Hasenschützen". 
3. Die Bartenwetzer. 
Die jungen Burschen von Melsungen hatten 
einst den Müßiggang lieber gewonnen als das 
Arbeiten, und wenn sie in den Wald geschickt wur-
	        

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