Full text: Handbuch des Kreises Melsungen (Jahrgang 16.1935)

Schwerte. Darunter steht der Spruch: Christus 
spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben! Mitten 
auf der Tafel, auf der die Namen der 13 Gefal 
lenen angebracht sind, leuchtet das Kreuz auf dun 
kelblauem Grunde auf. Zu beiden Seiten des Kreu 
zes stehen die Namen der 53 Kriegsteilnehmer. 
Die Kirche war anläßlich der Einweihungsfeier fest 
lich geschmückt. Pfarrer Reuter sprach über das 
Bibelwort: Mit Gott wollen wir Taten tun. DT.- 
Kreisführer Giebel übergab im Namen des Turn 
vereins die Tafel der Kirchengemeinde. Der Kreis- 
leiter der NSDAP., Dr. Reinhardt, forderte die 
Jugend zur Nacheiferung auf. Nachmittags fand 
noch eine schlichte Nachfeier im Schröderschen Saale 
statt, bei der der DT.-Vereinsfllhrer Hoffmann 
den Landrat Freiherr v. Gagern begrüßte und über 
das Frontkämpfertum sprach. Landrat Freiherr von 
Gagern erinnerte an die Kameradschaft im Kriege, 
die nun durch die neue Volksgemeinschaft abgelöst 
worden sei. Der stellv. Vereinsführer Volte sprach 
von den Kämpfen bei Langemarck, an denen er 
als Kriegsfreiwilliger teilgenommen hatte. 
Die große Bedeutung des 21. März 1934 als 
des Tages, der den gewaltigen Auftakt zur zwei 
ten Arbeitsschlacht der Regierung Adolf Hit 
lers brachte, kam auch in den Feierstunden der 
Betriebe des Kreises Melsungen zum Ausdruck. 
Ueberall sprachen die Betriebssührer und Betriebs- 
oblcute zu den Belegschaften über die heroische Tat 
der Reichsregierung, die ihre Hauptaufgabe darin 
erblickt, dem letzten deutschen Volksgenossen, wel 
cher brotlos ist, wieder einen Arbeitsplatz zuzuweisen, 
an dem er für seine Familie und für sein Volk 
wirken kann. Um 10.45 Uhr vormittags heulte die 
Eirene in Melsungen auf dem Rathausturm und 
rief die Beschäftigten von der Arbeitsstelle. In den 
Betrieben wurden die Maschinen ausgeschaltet und 
das Handwerkszeug weggelegt. Auch in den Schu 
len setzte der Unterricht aus. In lautloser Stille 
folgten die Volksgenossen den Ausführungen des 
Führers Adolf Hitler im Rundfunk, und im Stil 
len gelobte sich ein jeder, mitzuarbeiten, daß die 
neue Arbeitsschlacht erfolgreich wurde. Abends fand 
noch eine große Kundgebung des Handwerks statt, 
in der Kreisleiter Dr. Reinhardt die Mitteilung 
machte, daß die Arbeitslosenziffer im Kreise Mel 
sungen seit der Machtübernahme durch Adolf Hitler 
von 1600 auf 1000 zurückgegangen sei. Jeder 
Geschäftsmann, der mithelfe an der Beseitigung 
der Arbeitslosigkeit, diene nicht nur dem gesamten 
Volke, sondern sich selbst. Denn wenn alle Ar 
beiter eingestellt sind, könne auch die Rentabilität 
der Betriebe gehoben werden. 
In der Stadt Melsungen wurde, nachdem der 
Anbruch eines zuversichtlichen Glaubens neuen Auf 
trieb gegeben hatte, der Kampf gegen die Ar 
beitslosigkeit allem anderen vorangestellt. 
Während im September 1933 der Fürsorge des 
hiesigen Arbeitsamts noch 224 Arbeitslose aus der 
Stadt Melsungen unterstanden, waren am 15. Juli 
1934 nur noch 120 Arbeitslose vorhanden. Wenn 
man dabei berücksichtigt, daß zu dieser Zeit keine 
Notstandsarbeiten ausgeführt wurden, also alle Ar 
beitslosen der freien Wirtschaft zugeführt waren, so 
kann man immerhin mit dem Ergebnis zufrieden 
sein. Auch der städtische Haushaltsplan zeigt nun 
mehr von Jahr zu Jahr weitere, wenn auch gering 
fügige Entlastung. 1932 betrug noch der Gesamt 
ausgabenbedarf 822 000 RM., für 1933 schon konnte 
diese Summe auf 757 000 RM. und für 1934 auf 
731 000 RM. gesenkt werden. Trotzdem verblieben 
noch immer ungedeckte Fehlbeträge, die aber zum 
Teil durch Staatsbeihilfen abgedeckt werden konn- 
Das 12 Meter hohe Ehrenkreuz auf dem Bromsberg 
in Spangenberg 
wurde am I. Juli 1931 anläßlich des 60jähr. Bestehens des Kricgervereins 
feierlichst dem Gedächtnis der loten Helden von Spangenberg geweiht. 
Phot. Möller, Spangenberg. 
tcn. Das Bauhandwerk der Stadt belebte sich in 
1933 auch mährend des Herbstes und Winters ganz 
wesentlich durch die vom Reich gewährten Bau 
zuschüsse, die eine sehr große Zahl von Hausbe 
sitzern veranlaßte, an den alten Fachwerkhäusern 
großzügige Verbesserungen vorzunehmen. Dadurch 
geivann auch das Stadtbild ganz außerordentlich. 
Nachdem nun auch im Frühjahr und Sommer 1934 
im früheren Gebäude der Katzmühle, die von der 
Stadt erworben wurde, eine Arbeitsdienstabteilung 
und eine Truppführervorschule für den Arbeitsdienst 
untergebracht ivurde, hat dadurch auch das übrige 
Wirtschaftsleben eine kleine Ankurbelung erfahren. 
Am 1. April 1934 war das erste große Win 
terhilfswerk des deutschen Volkes abgeschlos 
sen. Durch die verschiedenen Sammlungen waren im 
Kreise Melsungen bis Ende März 1934 im ganzen 
25 597,22 RM. gespendet Ivorden. Diese Beträge 
wurden in dieser Höhe neben den sehr erheblichen 
Naturalleistungen an Kartoffeln, Getreide, Fleisch, 
Wurst, Kleidern usw. aufgebracht, obwohl der Kreis
	        

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