Full text: Der kleinen Liese Weihnachtstraum

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Gewahrte nun allerlei Kleinigkeiten, 
Die konnte ich aber nicht unterscheiden, 
Denn es ging bei dem Treiben gar emsig zu, 
Ich hörte noch singen, und dann kamst du — 
Und riefst — da war alles Schöne aus, 
's ist leer, kalt und düster bei uns im Haus. 
Doch, Hansel, jetzt will ich Hur Küche gehn 
Und eilig dann nach unsrer Mutter sehn. 
Hans (steht sinnend): 
Liese, Liese, dein schöner Traum, 
Ich fürchte, der erfüllt sich kaum, 
Solch traurige Weihnacht erlebten wir nie. 
Doch will. ich nicht klagen, wer kommt da? Sieh. 
Die Mutter, die Mutter, o Gott sei Dank. 
(Er eilt zu ihr, geleitet sie fürsorglich zum Sessel.) 
Ach Mutter, wie warst du so lange krank, 
Aber nun wirst du uns bald genesen, 
Wie sind wir die Zeit her so traurig gewesen. 
Mutter: 
Hab ich nur euch, ihr lieben Kinder, 
Sind meine Schmerzen besänftigt und linder, 
Ihr zeigt mir täglich Geduld und Liebe, 
(seufzend) 
Wenn ich nur lange noch bei euch bliebe! 
Hans. 
Mutter, wie darfst du nur so was sagen. 
Wer wird an dem bißchen Kranksein verzagen. 
Liese: 
Das wird jetzt besser mit jeder Stund, 
Im Frühjahr schon bist du uns kerngesund. 
Mutter: 
Gott geb' es, wir wollen ihn darum bitten, 
Ich hab all die Jahre genug gelitten. 
Wie lebte ich glücklich mit eurem Vater, 
Er war mein Alles, mein treuer Berater, 
Wir hatten uns beide von Herzen lieb. — 
Und dann kam der Tag, da er draußen blieb.
	        

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