Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

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Eberhard: Ich will glauben. 
Luther: So findet Eure Seele Frieden in Gott. (Er will ihm 
die Hand entziehen.) 
Eberhard: Laßt mir die Hand, die an das Kirchentor zu 
Wittenberg die 95 Thesen schlug! Welch eine Macht 
wohnt doch in dieser Hand, die mich ergriffen hat zum 
ew'gen Heil! 
Luther: Des Herrn Barmherzigkeit hat Euch ergriffen, Ritter! 
Wie seltsam! Denkt, heut ist Sonntag lVUsericoräias 
vomini, d. h. Barmherzigkeit des Herrn. Vergeht den Tag 
der Gnade nicht! 
Eberhard: Wie sollt ich diesen Tag vergessen! 
Luther (macht seine Hand frei und weist auf den Wein am 
Tisch): Da seht! Derweil wir sprachen, habt Ihr das 
Trinken ganz vergessen. 
Eberhard: Soll mich nit grämen, hab nit viel versäumt. 
Luther: Seid dahingegen als ein Reben am himmlischen Wein 
stock Jesu Christo verblieben und werdet nach Sankt Jo 
hannis Evangelio viel gute Früchte bringen. 
Eberhard: Geb's Gott! Das will ich hoffen. — Doch sagt 
mir, Doktor Martinus, was läßt Euch jetzt im Odenwalde 
streifen? Wollt Ihr wirklich nach Worms? 
Luther: Ich bin gefordert zum Konzil, vor Reich und Kaiser 
licher Majestät Rechenschaft zu geben über Lehr und Leben. 
Eberhard: Und da geht Ihr hin? 
Luther: Ei, was sollt ich nit! 
Eberhard: Da seht Euch vor! Sonst geht Ihr ins Verderben 
>— bin nit der einzige, der Euch nach Freiheit steht und 
Leben. 
Luther (furchtlos): Ich bin zitiert, darum will ich mich stellen, 
stnd sollten zu Worms jo viel Teufel fein, als Ziegel auf 
den Dächern liegen. 
Eberhard (warnend): Ich fürchte — fürchte . . . 
Luther: Was fürchtet Ihr?
	        

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