Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

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Eberhard (erhebt die Faust zum Pochen): Das Wörtlein muß 
ich wissen, guter Freund, den Antichrist zu fällen! 
(Er läßt die Faust sinken, denn drinnen hebt die Stimme 
mit Innigkeit und Glaubenskraft zu beten an. Eberhard 
faltet die Hände, neigt das Haupt und lauscht andächtig.) 
Stimme (betet den 27. Psalm in Luthers Uebersetzung): Der 
Herr ist mein Licht und mein Heil,- für wem sollt ich mich 
fürchten! Der Herr ist meines Lebens' Kraft: für wem 
sollte mir grauen! Darum, so die Bösen, meine Wider 
sacher und Feinde, an mich wollen, mein Fleisch Zu 
fressen, müssen sie anlaufen und fallen. Wenn sich schon 
ein Heer wider mich leget, fürchtet sich dennoch mein Herz 
nicht,- wenn sich Krieg wider mich erhebt, so verlasse ich 
mich auf ihn. Eins bitte ich vom Herrn, das hätte ich 
gern, daß ich im Hause des Herrn bleiben möge mein 
Lebenlang, zu schauen die schönen Gottesdienste des Herrn 
und seinen Tempel zu besuchen. Denn er decket mich in 
seiner Hütten zur bösen Zeit und verbirget mich heimlich 
in seinem Gezelt und erhöhet mich auf einen Felsen. Und 
wird nun erhöhen mein Haupt über meine Feinde, die 
um mich sind, so will ich in seiner Hütten Lob opfern, ich 
will singen und Lob sagen dem Herrn. Herr, höre meine 
Stimme, wenn ich rufe, sei mir gnädig und erhöre mich! 
Mein Herz hält dir vor dein Wort: Ihr sollt mein Antlitz 
suchen: darum suche ich auch, Herr, dein'Antlitz. Verbirg 
dein Antlitz nicht für mir und verstoße nicht im Zorn 
deinen Knecht,- denn du bist meine Hilfe. Laß mich nicht 
und tue von mir nicht die Hand ab, Gott, mein Hoil! 
Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich. Aber 
der Herr nimmt mich auf. Herr, weise mir deinen Weg 
und leite mich auf richtiger Bahn, um meiner Feinde willen. 
Gib mich nicht in den Willen meiner Feinde: denn es 
stehen falsche Zeugen wider mich und tun mir Unrecht ohne 
Scheu. Ich glaube aber doch, daß ich sehen werde das 
Gut des Herrn im Lande der Lebendigen. Harre des 
Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn! 
Amen. 
Eberhard (laut und frohlockend): Amen — Amen! Der betet 
wie ein rechtes Kind, das in Gottvaters Mantelfalten sich 
geflüchtet hat. Wer ist der Mensch? Ich muß ihn sehn
	        

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