Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

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Racke: Gestrenger Herr, Ihr sollt uns auf dem Posten finden. 
Eberhard: Habt sonderlich auf Kuttenträger acht! (Heimlich, 
bedeutungsvoll) Den Luther wollen wir greifen! 
(Beide fahren erschrocken zurück.) 
Racke: Den Luther, Herr? Gott steh uns bei! 
Richolf (bekreuzt sich): Bewahr mich Gott! 
Eberhard: Gewiß, den Antichrist! Und Gott und seine heil'ge 
Mutter stehn uns bei. Gelingt's, so löst ein jeder von 
uns dreien seine Seele zehn Iährlein früher aus dem 
Fegefeuer. 
Richolf: Gestrenger Herr, das Spiel — nein — das halt ich 
nit mit. 
Eberhard: Kerl, was erfrechst du dich! Das kostet dir den 
Hals. Und warum willst du nit? 
Richolf: Wär's der leibhafte Gottseibeiuns, den wollt ich Euch 
fangen helfen — den Luther nit. 
Eberhard (tobt): Krumm schließen laß ich dich, du Schuft, 
und in den Turm mit dir! Sonst warst du gleich mit 
Messer und Pistol zur Hand. Und jetzt entfällt dir aller 
Mut, du Hasenherz! 
Rrcholf: Die Bauern schlagen uns am Wege tot, wenn wir 
den Luther fangen. Nach Erbach, bringen wir ihn doch nit. 
Eberhard (drohend): Ich lehr' dich anders pfeifen, du Halunke! 
(Zu Racke.) Und, Vogel, was pfeifst du? 
Racke (lacht): Ich tu mit! 
Eberhard: Den Rapphengst reitet Racke. (Zu Richolf.) Du 
trollst dich stracks auf Schusters Rappen nach Erbach heim, 
du Memme! Dort treib ich dir den Ketzergeist schon aus. 
Pack dich zum Teufel! (Richolf ab.) Du machst allein. 
Schlag dreie weckst du mich! 
Racke: Schlag dreie, Herr! 
Eberhard: Und sorgst, daß niemand, wer 's auch sei, das Haus 
verläßt! 
Racke: Wie Ihr's gebietet, Herr! (ab.)
	        

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