Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

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Gesell: Laßt Euern Zank und höret das Gedicht! 
Auch lagen viel Schlangen in dem Gras, 
Sogen aus die Schafe ohn' Unterlaß 
Durch alle Glieder bis auf das Mark, 
Dürr wurden die Schafe, die waren stark, 
An allen Teilen die lange Nacht, 
Und find erst wieder aufgewacht, 
Seit hell die Nachtigall nun singet 
Und neuer Tagesglanz herdringet, 
Daß sie erkennen zu der Zeit 
Den Leu'n, den Wolf, die falsche Weid'. 
Darob der grimme Leu erwacht 
Und lau'rt im Zorne ungeschlacht 
Auf der Nachtigall Gesang, 
Der kündet an der Sonn' 'Aufgang, 
Davon sein Reich ein Ende nimmt: 
Drob ist der wilde Leu ergrimmt, 
Doch er sie nicht ergreifen kann. 
Daß ihr nun klarer mögt verstan, 
Wer sei die lieblich Nachtigall, 
Martinus Luther, daß ihr's wißt. 
Der in Wittenberg Augustiner ist, 
Der hat erweckt uns aus der Nacht . . . 
Eberhard: Der Satanas von Wittenberg! Der will vom Thron 
den Heil'gen Vater stoßen und aus den Kirchen, aus den 
Herzen der Mutter Gottes Gnadenbildnis reißen. Schweig 
mir vom Antichrist! 
Gesell: Mir scheint's, Zhr könnt Gereimtes nicht in Ruh 
anhören. Bringt's Euch so gewaltig in den Harnisch? 
(Er liest ruhig weiter, während der Ritter den Kopf hin 
und her wirft und die Augen rollt.) 
Also: Martinus Luther, daß ihr's wißt, 
Der in Wittenberg Augustiner ist, 
Der hat erweckt uns aus der Nacht, 
Darein der Mondschein uns gebracht: 
Der Mondschein deut't der Menschen Lehr', 
Der Sophisten hin und her 
Innerhalb vierhundert Jahren, 
Die sind nach ihrer Vernunft gefahren -
	        

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