Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

14 
Gesell (erhebt begeistert die Rechte und liest aus dem Flugblatt 
in der linken Hand vor): 
Wacht auf, es nahet gen den Tag! 
Ich höre singen im grünen Hag 
Ein' wonnigliche Nachtigall; 
Ihr' Stimm' durchklinget Berg und Tal. 
Die Nacht neigt sich gen Occident, 
Der Tag geht auf von Orient, 
Die rotbrünstige Morgenröt' 
Her durch die trüben Wolken geht, 
Daraus die lichte Sonn' tut blicken. 
Den Mondschein tut sie niederdrücken, 
Er ist jetzt worden finster ganz, 
Der doch zuvor mit falschem Glanz 
Die Schafe alle hat geblendet, 
Daß sie sich haben abgewendet 
Von ihrem Hirten und der Weid' 
Und haben sie verlassen beid', 
Sind gangen nach des Mondes Schein 
In die Wildnis, den Holzweg ein, 
Haben gehört des Löwen Stimm' 
Und sind auch nachgefolget ihm, 
Der sie geführt mit seinen Listen 
Weitab vom Wege in die Wüsten. 
Wirt: Wahr! Wahr ist's, was er sagt! 
Eberhard (fährt ihn zornig an): Ihr zollt ihm Beifall? Mensch, 
Ihr seid nit klug! (Er deutet auf das fliegende Blatt.) 
Wer hat den Lügensack da ausgeschüttet? 
Wirt: Kein Lügensack — ein Mund der Wahrheit ist's. 
Eberhard: So seid auch Ihr ein Lutherfreund? 
Wirt: Wirt bin ich — Herbergswirt und weiter nichts. Mehr 
als der Pfaffen Gezänk kümmert mich gut Getränk, und 
der Gäste Kerbholz ist mir lieber als der Kirche Krumm 
stab, und das Kartenblatt bringt mir mehr ein als das 
Flugblatt. Aber wahr ist's und bleibt's deswegen doch 
— das Flugblatt, mein' ich. 
Eberhard: Ihr seid ein Narr, und fürderhin herbergt ein 
Edelmann bei einem Ketzer nit. (Der Wirt geht ab.)
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.