Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

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Fuhrmann: Ein Gleiches Euch, Herr Ritter! (Sie trinken.) 
Eberhard: Von Wertheim seid Ihr heut gekommen? 
Fuhrmann: Erst eben, Herr! — von Wertheim, ja. 
Eberhard: Nun sagt, habt Ihr in Wertheim nichts gehört vom 
Doktor Luther? 
Fuhrmann (freudig): Gehört und auch gesehn. 
Eberhard: Ihr selbst? 
Fuhrmann: Ich selbst mit meinen eignen Augen und Ohren. 
Eberhard: Habt ihn gesehen und gehört? 
Fuhrmann: Ihn, wie er leibt und lebt und redet. 
Eberhard: Das Ungeheuer aus der Hölle saht Ihr, ohne zu 
erschrecken? 
Fuhrmann: Nun, ungeheuerlich sah er mir nit aus — müßt 
lügen, sagt' ich das. 
Eberhard: Und was habt Ihr aus seinem Mund gehört? 
Fuhrmann: Ei, seine Predigt, die er vor der Kirche hielt — 
es mar Euch ein erbaulicher, gutchristlicher Sermon. 
Eberhard: Vor der Kirche, sagt Ihr — nit in der Kirche? 
Das ist recht. Dem Antichrist muß jedes Gotteshaus ver 
schlossen sein. 
Fuhrmann: Herr, nit verschlossen war die Kirche, zu klein 
war sie. 
Eberhard: Die Kirche zu Sankt Kilian zu klein! Ihr über 
treibt, mein Freund! 
Fuhrmann: Jaja, zu klein. (Erzählend.) Der Doktor Luther, 
der vom Rat und von der Bürgerschaft der Stadt zu 
predigen gebeten war, der stand schon auf der Kanzel. Da 
drängte sich noch immer Volk herein, stand in den Gängen, 
auf den Treppen, vor der Kirche, auf dem Marktplatz und 
weit hinein noch in die Gassen. Doktor .Martinus mußte 
von der Kanzel niedersteigen und unter freiem Himmel 
auf dem Markte predigen wie weiland unser Herr und 
Heiland. Und mar Euch eine Andacht in dem Volk, das
	        

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