Full text: Und wenn die Welt voll Teufel wär!

10 
4. Auftritt. 
(Der Weinfuhrmann im blauen Kittel, die Peitsche in der Hand, 
tritt auf.) 
Eberhard (leutselig): Gevatter, tretet näher! Ich spinne Lange 
weil' in dieser Odenwälder Herberg' und ließ Euch rufen, 
daß wir beide uns die Zeit ein wenig kürzen. Denn Ihr, 
so glaub ich, spinnt am selben Faden.. 
Fuhrmann: Nein, doch nit, Euer Gnaden! Ich hab ein ander 
Garn auf meiner Haspel. Mir will die Zeit nit reichen, 
die Euch zu lang ist. Denn morgen, noch vor Nacht, 
soll ich mit meiner Ladung in Worms am Rhein sein. 
Ihr wißt doch, das Konzil! Das wird Euch eine Herr 
lichkeit! Vor Reich und Kaiser und der hohen Klerisei, 
da soll der Doktor Luther Red' und Antwort stehen. 
(Er kratzt sich hinterm Ohr.) O armes Mönchlein, möcht 
in deiner Haut nit stecken. Gott gnade dir! 
Eberhard: Ihr fahrt mit Wein? 
Fuhrmann: Jawohl. 
Eberhard: Nun ja, der Mönch aus Sachsen wird den hohen 
Herren in Worms einen bösen Krätzer vorsetzen. 
Fuhrmann: Deswegen bin ich auf dem Weg nach Worms 
mit einem guten Tropfen. Damit können die Herren 
ihren Aerger hinunterspiilen. Doch was red' ich lange! 
(Er will gehen.) 
Eberhard: Da Ihr nun mal zu mir heraufgestiegen seid, so 
bleibt und trinkt ein Schöpplein Wein mit mir! Mus 
katellerwein ist's freilich nit, doch auch ein trinkbar 
Rebenblut. 
Fuhrmann: Entschuldigt mich und gebt mir Urlaub, meine 
Straß' zu fahren. Ich hab nit Zeit zum Pokulieren. 
Nach Mitternacht schon brech' ich auf und fahre. 
Eberhard: Zu einem Schlücklein langt's wohl noch, Gevatter! 
(Er nötigt ihm einen Becher in die Hand.) Und wollen 
auch mal an die Wiege stoßen. (Sie stoßen an.) Auf 
gute Fahrt, Gevatter! 
I
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.