Full text: Die Tuberkulose, ihre Verhütung und Heilung

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kommen befürchten läßt". Danach bedeutet die an 
steckende Tuberkulose der Atmungsorgane 
(Lungen- und Kehlkopftuberkulose) ein Ehehindernis. 
Wann es vorliegt, wird immer durch die fachärztlichen 
Untersuchungen und in allen irgendwie zweifelhaften Fällen 
erst durch die klinische Beobachtung zu entscheiden sein. 
Jedenfalls muß die ansteckende Lungen- oder Kehlkopf 
tuberkulose zur Zeit der beabsichtigten Eheschließung tat 
sächlich bestehen. Sicher nicht ansteckungsfähige, wenn 
auch tätige (aktive) Tuberkulose, ruhende Tuberkulose und 
bloßer Tuberkuloseverdacht reichen zur Begründung eines 
Eheverbotes nicht aus. Das Vorliegen einer offenen, d.' h. 
ansteckenden Tuberkulose ist durch den Bazillennachweis 
gesichert. Der Bazillennachweis ist aber nicht allein aus 
schlaggebend. Das Eheverbot ist auch begründet, wenn die 
klinische und röntgenologische Untersuchung mit Sicherheit 
für das Vorhandensein einer ansteckenden Tuberkulose 
spricht. 
Sind beide Verlobte lungentuberkulös, so kann eine 
Ansteckungsgefahr unter sich das Verbot einer Eheschlie 
ßung nicht begründen, da beide Partner bereits tuberkulös 
sind. Es kommt dann aber der zweite im Gesetz zum Aus 
druck gebrachte Grund für das Eheverbot zur Wirkung: 
die Gefahr für die Nachkommenschaft. Es spielt dabei 
keine Rolle, ob der eine Partner an einer offenen, der 
andere an einer geschlossenen Form der Tuberkulose leidet. 
Auf die Tuberkulose beider Verlobten findet der § 1 
Abs. 1 des Ehegesundheitsgesetzes ebenfalls Anwendung. 
Etwas anders liegt die Frage, wenn einer der beiden 
ansteckend-tuberkulösen Verlobten unfruchtbar ist. Da dann 
kein Nachwuchs zu erwarten ist, kann die Ehe gestattet 
werden. Nur für den Fall, daß voreheliche Kinder durch 
die neue Hausgemeinschaft in eine gegenüber vorher
	        

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