Full text: Praktikus

Arrszirg y. 
Einkommen ans nicht verpachteten landwirtschaftlich 
benutzten Besitzungen. 
Art. 11 der dlusf.-Anweis. v. 6. 7. 00. 
Bei Ermittelung des Einkommens aus nicht ver 
pachteten Besitzungen ist der durch die eigene Beivirtschnftung 
erzielte Reinertrag nach dem dreijährigen — für 1892 93 
nach dem zweijährigen — Durchschnitte (Artikel 5 Nr. 2) 
zu Grunde zu legen. 
Als Reinertrag gilt die gesamte Naheinnahme der maß 
gebenden Wirtschaftsperiode nach Abzug der Bewirtschaftungs 
kosten und unter Berücksichtigung des bei Beginn irnd am 
Schlüsse der Periode vorhandenen Bestandes an Vorräten. 
I. In Einnahme sind zu stellen: 
1. der erzielte Preis für alle gegen Barzahlung oder 
auf Kredit veräußerten Erzeugnisse aus allen Wirt 
schaftszweigen, sowie für die Verleihung von 
Zugkraft und anderen Wirtschaftsmitteln; 
2. der Geldwert aller Erzeugnisse, welche ztir Be- 
streitung des Haushalts ) des Besitzers, zum Unter 
halte feiner Angehörigen, sowie der nicht zum 
Wirtschaslsbetriebe gehaltenen Hausgenossen ver 
braucht oder sonst zu ihrem Nutzen oder ihrer An 
nehmlichkeit verwendet sind: hierher gehört nament 
lich auch der Aufwand an Naturalien für die Be 
köstigung des zur persönlichen Bedienung gehaltenen 
Gesindes, für die Unterhaltung von Luxuspferden 
und dergleichen; 
3. der Mietswert der von dem Eigentümer und seinen 
Angehörigen selbst bewohnten oder zur Führung des 
Haushaltes benutzten Gebäude (Artikel 16 !•); 
4. der Geldwert des am Schlüsse der Periode vor 
handenen Bestandes an Wirtschafts-Erzeugnissen, 
soweit dieselben zur Verwertung durch Verkauf oder 
zum Verbrauch int Haushalte bestimmt sind (vergl. 
II. Nr. 9j; 
5. der Geldwert der Nutzung von etwaigen Gerecht 
samen gegeit andere Grundstücke und andere Zube 
hörungen. 
II. Von der Einnahme sind als Bewirtschaftungs 
kosten in Abzug zu bringen die Ausgaben: 
1. für Unterhaltung — nicht auch für die Er 
weiterung oder den Neubau -- der Wirt 
schaftsgebäude, Tagelöhner - Wohnungen und der 
übrigen dein W l rtscha ftsbetriebe dienenden oder 
denselben sichernden baulichen Anlagen «Deiche, 
Mauern, Zäune, Wege, Brücken, Brunnen, Wasser 
leitungen, Schleusen, Entwässerungsanlagen,; 
2. für die Erhaltung und Ergänzung — nicht auch 
für die Verbesserung und Vermehrung — 
des lebenden"» und toten Wirtschaftdiuventars; 
3. für die Veisicheruug der Wirtschaftsgebäude, des 
lebenden und toten Wirtschaftsinventars, der Vor 
räte an Wirlschaflserzeuguisseu, sowie der noch un- 
geernteleu Feld- und Gnrteufrüchte, — nicht aber 
des Haushaltungsmobiliars— gegen Feuer-, 
Hagel- und anderen Schaden; 
4. für Heizung und Beleuchtung der Wirtschaftsräume, 
nicht auch der für den Haushalt beitntzten 
R ä u m e: 
5. für Samen, Pflanzen, Flitter- und Dungmittel, 
Rohstoffe und sonstige Materialien, lvelche für den 
laufenden Wirtschaftsbetrieb einschließt, der etwaigen 
Nebcnbetriebe zugekauft worden sind; 
6. für Oiehalt, Lohn und sonstige Dienstemolumente 
— so>veit dieselben nicht den Wirtschafts 
erzeugnissen entnommen sind") — an das 
zum Wirtschaftsbetriebe, nicht auch an das zum 
Haushalt oder zu persönlichen Dienstleistungen an 
genommene Personal; 
7. die gesetz- oder vertragsmäßig vom Eigentümer für 
das zum Wirtschaftsbctriebe angenommene Personal 
zu leisteudeu Beiträge zu Kranken- u. s. w. Kassen; 
8. die von landwirtschaftlichen Nebenbetrieben (Art. 12) 
zu eutrichtenden indirekten Abgaben (Zuckersteuer, 
Branntweinsteuer u. s. w.). Hierzu kommt: 
9. der Geldwert der aus der vorangegangenen in die 
gegeiitvärtige Wirtschaftsperiode übernommenen Be 
stünde an Vorräten der zu I. Nr. 4 bezeichneten Art. 
III. Für die Abnutzung der zum Wirtschaslsbetriebe 
notwendigen Oiebäude, Maschinen, Gerätschaften kann eilt 
angemessener Prozentsatz des Substaitzwertes in Abzug 
gebracht werden?) s ) e ) 
') Sind Wirtschaftserzeugnisse teils für den Haushaltsbedarf teils zu Wirtschaftszwecken verwendet, so ist eine 
den thatsächlichen Verhültn ssen entsprechende Trennung nach billigem Ermessen zugelassen. Dasselbe gilt von den ge 
meinsam zu beiden Zwecken gemachten Ausgaben. 
-) Praktische Bedeutung gewinnt diese Vorschrift wohl nur bei kaufmännischer Buchführung, wo das Einkommen 
durch Gegeitüberstellung des Vermögens des letzten Wittschaftsjahres gegenüber dem vorhergehenden Jahre ermittelt 
wird. — Bei der vorliegenden Buchführung tvird nichts eingewendet tverden können, wenn bei gutem Futierstand Vieh 
aufgestellt lind zugekauft und der Bestand vermehrt wird; den erhöhten Ausgaben stehen alsdann erhöhte Einnahmen 
beim Conto IX. gegenüber. 
") Hiergegen tvird vielfach verstoßen, indem die ganze Beköstigung des Oiesiudes abgesetzt wird. Die Wirtschafts 
erzeugnisse, tvelche zur Ernährung des Gesindes zurückgestellt werden, sind Einnahme, sie erscheinen aber nicht in 
Einnahme, folglich müssen sie bei Berechnung der Beköstigung des Gesindes berücksichtigt werden. 
4 ) Ueber die Abschreibungen im Gegensatz zu den Jnstandhaltnngskosten enthält das Urteil im Verwaltungs- 
Archiv 1583 vom 8. März 1895 folgende Ausführungen: „Der natürliche Lauf der Dinge bringt es mit sich, daß Ge 
bäude trotz der darauf verwendeten ilnterhaltungskosten in Folge des Oiebrauches und sonstiger Einflüsse (auch abge 
sehen von dem hier nicht interessirenden Untergänge durch besondere Unglücksfällel allmählich dem Verbrauche unter 
liegen nnd der Erneuerung bedürfen. Beide Vorgänge, die Notwendigkeit der Unterhaltung und die der Erneuerung, 
wirken ans das Einkommen zurück und haben deshalb im Oie setze Berücksichtigung erfahren. Die regelmäßigen Unter 
haltungskosten sind abzugsfähig gemäß $.9 1. 1; der Aufwand in Folge der bis zum Verbrauche gesteigerten Ab- 
tlUtznng nnd so bis zur notwendigen Erneuerung aber findet seine Deckung gemäß §. 9 1. 5. Das Gesetz gestattet 
jährliche Absetzungen für die regelmäßige Abnutzung, deren Höhe sich nach dem Substanzwert und der vermutlicheil 
Lebensdauer des Gebäudes richtet. Damit bleibt in jedem Jahre der verbrauchte Theil des Oiebäudes in Gestalt einer 
entsprechenden Einkommeusquote steuerfrei und schließlich der volle Wert, sodaß es unzulässig ist, alsdann, 
wenn die Erneuerung eintreten muß, nochmals die gesamten Erneuerungskosten steuerfrei von den 
Betriebseinnahmen abzusetzen. — Jnstandhaltungskosten und Abschreibungen stehen in einer notwendigen Wechsel 
wirkung. Durch die Instandhaltung wird die Oiebranchsdauer verlängert; die hierauf verwendeten Kosten verringern 
also die Höhe der Abschreibungen. Die Jnstandhaltungskosten sollen die Quelle möglichst lauge in dem zur Erzielung 
des Ertrages geeigneten Zustande erhalten; durch die Abschreibungen soll der dennoch eingetretene Substanzverlust aus 
dem Roherträge der Quelle ausgesondert werden. Beide wirken also zusammen, um den wirtschaftlichen Reinertrag der 
Quelle richtig zu bestimmen." 
b) Für die Maschinen und Gerätschaften erscheint es darnach praktisch, eine Abnutzung nicht zu berechnen, 
sondern im Falle der Notwendigkeit die Erueuerungskosten in Abrechnung zu bringen. 
6 ) Für das lebende Inventar ist eine Abnutzung nicht zulässig.
	        

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