Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Rückkehr der Truppe» Vertilgung der fremden Einrichtungen 
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Artillerie gebrach. Trotzdem ivurde sie gelöst, und wenn sich auch keine 
Gelegenheit zu großen, in der Kriegsgeschichte fortlebenden Taten bot, 
so konnten die jungen ungeübten Truppen, die unaufhörlich zwischen 
den einzelnen Festungen hin- und hergeworfen wurden, doch in zahl 
reichen kleineren Gefechten und Scharmützeln namentlich vor Luxemburg 
und Diedenhofen sich der kriegerischen Ahnen würdig zeigen. Gerade 
als nach dem Eintreffen der letzten Verstärkungen der Kurprinz zu einem 
entscheidenden Schlag gegen die Metzer Besatzung ausholte, und General 
major v. Müller im Begriff stand, die lang herbeigesehnte größere Schlacht 
zu beginnen, da traf die Nachricht von dem durch die Einitahme von 
Paris bedingten Waffenstillstand ein, der auch dem Feldzug der Hessen 
ein Ende machte. Luxemburg, das sieben Jahre zuvor das Gefängnis 
der treuen hessischen Offiziere gewesen war, wurde von hessischen Truppen 
besetzt. Das Hauptkorps aber trat den Marsch in die Heinmt an, wo 
sich am 4. Juli 1814 der Einzug in Cassel ebenso festlich und feierlich 
gestaltete, wie vor vier Monaten der Abmarsch. 
Inzwischen hatte in Hessen der Kurfürst mit der Durchführung des 
in seiner Proklamation vom 12. Dezember 1813 gegebenen Versprechens 
begonnen, „die fremdartigen Einrichtungen zu vertilgen und die alte 
vaterländische Verfassung wieder herzustellen". Wilhelm hatte die Usur 
pation seines Landes und die durch den Frieden von Tilsit geschaffenen 
Neuordnungen niemals anerkannt. Für ihn waren die Bonapartes nur 
Kronenräuber und Länderdiebe gewesen, die ihn zwar zeitweise aus 
seinem Lande vertreiben aber keine neue Rechtsgrundlage aufrichten 
konnten. Das Königreich Westfalen hatte niemals rechtlich und gesetz 
mäßig bestanden, folglich waren alle sog. Regierungshandlungen der 
Zwischenzeit null und nichtig. Bis zum Ende des Jahres 1813 blieben 
die westfälischen Einrichtungen im wesentlichen bestehen, dann begann 
die konsequent und mit allem Eifer durchgeführte Restaurations 
politik mit der Aufhebung aller Titel, Würden, Orden und Standes 
erhebungen, die während der feindlichen Besetzung des Landes verliehen 
waren. Die verhaßte Mahl- und Schlachtsteuer wurde abgeschafft, der 
Salzpreis ermäßigt, die Stempelabgaben gennldert, die Holzversteige- 
rungen aus den Staatswaldungen verboten und das Brennholz wieder 
zu den mäßigen festen Preisen an die Untertanen verabfolgt. Das alte 
Steuersystem lebte wieder auf mit geringen Änderungen. Die westfälische 
Schuld wurde ignoriert, lediglich die althessische Schuld blieb anerkannt, 
aber nur in dem auf ein Drittel ihres Nennwertes reduzierten Betrag. 
Die alte vielgliederige Behördenorganisation mit ihrer Vereinigung von
	        

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