Volltext: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Ieromes zweite Flucht 
am Morgen des 26. Oktobers war auch der König verschwunden. Ohne 
Cassel zu berühren, war er am frühen Morgeit von „Napoleonshöhe" 
fortgeritten durch Waldeck und das Sauerland dem Rhein entgegen. 
Und hinter ihm her flüchtete in den nächsten Tagen in kopfloser Hast 
der Schwarm von Abentelirern und das ganze französische Gesindel, das 
sieben Jahre lang in Cassel schmarotzt hatte. 
So endete die Monarchie 
Genannt „Konsums de Westphalie.“ 
Sang- und klanglos war das jämmerliche Ende, aber eine Flut 
von mehr oder minder witzigeit oder auch witzlosen Spottgedichten und 
Satiren folgte den Flüchtlingen nach. Es waren vielleicht dieselben 
Leute, die kurz vorher noch begeisterte Huldigungsgedichte auf „West 
falens Stolz und Cassels Lust" geschrieben hatten, die jetzt „des dicken 
Korsen dünnen Bruder" mit oft recht geschmacklosem Hohn l ) und Schimpf 
übergössen, als ob sie sich damit von der vorher gezeigten Gesinnungs 
lumperei hätten reinigen können. Ganz so jämmerlich, wie die Schreiber 
dieser wie Pilze aus der Erde schießenden Pamphlete das Bild und 
beii Steckbrief des „entsprungenen Kaufmannsdieners Hieronymus" 
zeichneten, ist Ferome sicher nicht gewesen. 
Jakob Grimm hat ihn wohl damals schon richtig beurteilt, als er 
schrieb: „Der König hat sich bei allem sehr schwach gezeigt; unverständig 
war er nicht, aber eitel und leichtsinnig und in einer beständigen doppelt 
verderblichen Nachäfferei des Kaisers begriffen. An der Würdigkeit, die 
wohl nur ein geborener König hat und, was ihm viel mehr zur Last 
liegt, an ernster Liebe und Erkenntnis seines Volkes mangelte es ihm 
gänzlich, z. B. deutsch hat er nie lernen mögen; eine gewisse Gutmütig 
keit will ich ihm nicht absprechen. So soll er in Schönfeld, bei Marburg, 
auf der Flucht, als ihn die Bauern verhöhnt, geweint und einige rührende 
Worte gesagt haben." 
Ieromes weitere Schicksale berühren die hessische Geschichte nicht, 
(wie überhaupt die ganze westfälische Episode nicht eigentlich dazu 
gehört und darum hier nur fliichtig behandelt werden konnte). Es 
sei nur kurz erwähnt, daß er in der Folge treu zu seinem großen 
Bruder hielt, der ihn doch oft recht schlecht behandelt hatte. Der erste 
‘) Geschmacklos war es schließlich auch, wenn ein Rheinbundsfürst, wie Earl 
August von Weimar später der Herzogin von Gotha sein Bedauern ausdrückte, 
daß man den „charmanten Ierome" nicht dem Kurfürsten ausgeliefert habe, um 
ihn ins Kastell oder — in eine Menagerie zu stecken.
	        

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