Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Emmerich und Sternberg erschossen Feldzug der Kurf. Legion 
zu gering, um den errungenen Vorteil zu behaupten. Nach kurzem 
Straßengefecht gegen die wieder anrückende Garnison mußten die Auf 
ständischen, die bald ihr bißcheit Pulver verschossen hatten, die Flucht 
ergreifen, und von Mainz ankommende französische Hilfstruppen er 
stickten den Rest der Bewegung. Emmerich und Sternberg wurden nach 
Cassel ins Kastell gebracht, das in diesen bewegten Monaten von ge 
fangenen Aufständischen überfüllt war. Diesmal waren die Kriegsgerichte 
strenger. Der alte Emmerich sollte die Namen seiner Mitschuldigen 
angeben. Seine einfache stolze Antwort auf die wiederholte Frage lautete: 
„Fch heiße Emmerich." Am 17. Fuli wurde er aus dem Forste erschossen 
und starb als alter Soldat, der oft dem Tode ins Auge gesehen, ohne 
Binde, die Tabakspfeife, die ihm eben ausgegangen war, in der Hand 
haltend, mit dem Rufe: „Es lebe der Kurfürst!" Zwei Tage später 
gingen denselben Todesgang zwei Oberhessen, die ehemaligen Soldaten 
Wendel Günther und Daniel Muth nebst dem Professor Sternberg, 
dem die Bitten seiner hochschwangeren Frau nicht die Begnadigung er 
wirkt hatten, obwohl er während des eigentlichen Aufstandes krank ge 
wesen war. Ein einfacher Denkstein bezeichnet die Stelle, wo ihr Blut 
den Forstrasen düngte und ihre Gebeine die letzte Ruhe fanden. 
Die nach Marburg gelangte Nachricht von dem Heranrücken des 
kurfürstlichen Korps war nicht unrichtig gewesen, nur seine Nähe stark 
überschätzt worden. Die vereinigten Österreicher, Hessen und Braun 
schweiger drangen in Sachsen ein, bei Wilsdruff kam es am 10. Juni 
zu einem Gefecht, in dem die kurfürstliche Legion die Feuertaufe emp 
fing, Dresden und Leipzig wurden besetzt, dann aber mußten die Ver 
bündeten sich vor einem sächsisch-westfälischen Heer nach dem Vogtlande 
zurückziehen. Bei Hof hatten die Hessen am 11. Juli ein Geplänkel 
mit westfälischen Vorposten. Jerome, der sich selbst zur Verteidigung 
seines Reiches aufgemacht hatte, wich nach Schleiz zurück, wo ihn der 
Herzog von Braunschiveig mit seinen und den hessischen Truppen über 
fallen unb ausheben wollte. Der Plan wurde verraten, und Jerome ent 
ging zum größten Kummer des Kurfürsten zum zweiten Male in diesem 
Jahre der Gefahr, von den Hessen gefangen genommen zu werden. 
Oberstleutnant v. Müller war eben im Begriff, auf die verspätete Nach 
richt von dem angeblich geglückten Aufstand in Hessen den längst ge 
planten Einfall in das Königreich Westfalen zu unternehmen, als der 
Waffenstillstand von Znaim dein Vorrücken der Verbündeten ein Ende 
setzte. Der Kurfürst, eben noch von den größten Hoffnungen beseelt, war 
außer sich über die neue Enttäuschung. Aber auch unter seinen Ossi-
	        

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