Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Das Königreich Westfalen 
Schwester Pauline, der Fürstin Borghese. Katzenellnbogen blieb fran 
zösisch bis zum Aufhören der Fremdherrschaft. 
„Einwohner Westfalens! Die göttliche Vorsehung hat diesen Zeit 
punkt bestimmt, um eure zerstreuten Provinzeil und benachbarten und 
dennoch ssich fremden Geschlechter unter einem erhabenen Grundgesetze 
zu vereinigen." Mit diesen Worten aus der Begrüßungsproklamation 
Zeromes an seine neuen „guten und getreuen" Untertanen war die 
Zusammensetzung des neuen Königreichs ganz richtig gekennzeichnet. 
Nur ein jeder historischen Tradition so verständnislos gegenüberstehender 
Sinn, wie der des großen Korsen, konnte ein so wunderliches 
Gebilde zusammenschweißen und dann seinen zwei Millionen Ein 
wohnern noch versichern: „Durch den Frieden von Tilsit habt ihr das 
erste aller Güter, ein Vaterland gewonnen", eine Phrase, die stark 
all die Behauptung späterer Zeiten erinnert, wonach die Deutschen 
erst durch die Bismarckische Politik ein Vaterland erhalten hätten. Als 
ob die Begriffe Vaterlaild und Verwaltungsorganismus irgend etwas 
nriteinander zu tun hätten. Indessen bildete der neue Staat mit seinen 
fast 700 Qundratmeilen einen abgerundeten stattlichen Länderkomplex 
mitten im Herzen Deutschlands, durch den der bisher hauptsächlich auf 
den Süden beschränkte Rheinbund eine erhebliche Ausdehnung und 
Stärkung erfuhr. 
Vertragsrechtlich erworben war von den einzelnen Teilen des König 
reichs Westfalen nur das ehemals preußische Gebiet, dessen Abtretung 
König Friedrich Wilhelm III. ausdrücklich anerkannte, indem er die 
Untertanen ihrer Pflichten entließ und sie sogar an ihren neuen Landes 
herrn mit den feierlichen Worten verwies: „Seid ihm, was ihr mir 
ivaret." Die von Napoleon vertriebenen Fürsten dagegen erkannten weder 
die neue Staatsschöpfung noch die Annexion ihrer Länder an. Der 
Kurfürst von Hessen ließ sogar ausdrücklich seinen Beamten und Unter 
tanen erklären, daß er darauf rechnete, daß sie ihn als ihren angeborenen 
Herrn nicht vergessen, vielmehr ihm im Grlinde immer und unter allen 
Umständen treu und attachiert bleiben würden. 
Für das Hessenland bedeutete die Entscheidung des Tilsiter Friedens 
zunächst die Erlösung von dem Druck einer quälenden Ungewißheit. 
Man war froh, daß die unerträgliche französische Militärdiktatur mit 
ihrem Zwang und drückenden Kontributionen endlich aufhören sollte. 
Die deportierten Offiziere durften nun in die Heimat zurückkehren und 
traten, der Not gehorchend, da ihr alter Landesherr nichts mehr für sie 
tun konnte, größtenteils in die neugebildete westfälische Armee ein. Der
	        

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