Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Oppositionsregungeii Trabcrts Volkszeitung 
Staate getragenen Ausgaben belastete, und schließlich nach 1871 bei der 
Dotierung der preußischen Provinzen aus den französischen Milliarden 
das Land Kurhessen völlig überging. 
Abgesehen von der eben erwähnten Empörung über den Angriff 
aus das kurhessische Landesvermögen stieß die preußische Regierung bei 
ihren neuen Untertanen iin großen und ganzen auf wenig Widerstand. 
Die große Masse des Volkes hatte, mürbe gemacht durch die langjährigen 
innern Wirren, die Annexion mit dumpfer Resignation über sich ergehen 
lassen. Die christlich gesinnten Kreise, in denen die alte Regierung ihre 
treuesten Anhänger zählte, empfanden den Verlust der Landesselbständig 
keit als ein verdientes Strafgericht Gottes, das nur durch demütige 
Beugung unter seinen Willen ertragen und überwunden werden könnte. 
Sie beteten im Stillen inbrünstig für die Rückkehr des Kurfürsten, 
wagten aber nur da eine offene Opposition, wo die kirchlichen Einrich 
tungen des Landes bedroht erschienen. Mit größerer Entschiedenheit traten 
die alten hessischen Demokraten auf, die fast allein den Kampf um Wieder 
herstellung des Landesrechtes offen aufzunehmen wagten und in Adam 
Trabert ihren Führer und literarischen Vorkämpfer fanden. In der 
Ende 1867 begründeten „Hessischen Volkszeitung" trat der ehemalige 
Herausgeber des „Wacht auf" mit der Parole Schwarzrotgold und 
Rotweiß ebenso für den großdeutsch-demokratischen Gedanken wie für 
das unverjährbare Recht des Hessenlandes auf feine Selbständigkeit ein 
und fand besondern Beifall mit seinen heftigen Angriffen auf die um 
gefallenen Derfassungshelden der Morgenzeitungspartei, die er zugleich 
in einer aufsehenerregenden Broschüre als „Die Totengräber des kur- 
hefsifchen Landesrechtes" gebührend an den Pranger stellte. In der 
„Hessischen Volkszeitung" fanden nun all die sehr verschiedenartigen 
zersprengten Volkselemente ihren Sammelpunkt, die den Untergang des 
Kurfürstentums beklagten: althessische Konservative, die in ungebrochener 
Anhänglichkeit dem vertriebenen Kurfürsten anhingen, treue Verfassungs 
idealisten, die in dem Blatte den scharfen Ausdruck ihrer Erbitterung 
über die Erbärmlichkeit der Totengräberei wiederfanden, Demokraten, 
die die Zerreißung Deutschlands und den Sieg des preußischen Junker 
tums nicht verschmerzen konnten, und schließlich die nicht geringe Zahl 
von Mißvergnügten, die enttäuscht über die Mißgriffe des neuen Re 
gimentes vor allem Befreiung von den neuen Militär- und Steuerlasten 
herbeisehnten. Es versteht sich von selbst, daß dies Blatt sich nicht des 
Wohlwollens der preußischen Regierung erfreuen konnte. Schon wenige 
Monate nach dem ersten Erscheinen der „Volkszeitung" wurde Trabert
	        

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