Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Nordbundspläne 1806. Kriegsausbruch. 
einen neuen Kaiser wählten, und das konnte nur in Norddeutschland 
sein, nachdem der ganze Süden samt Österreich sich vom Reiche los 
getrennt hatte. Der sechzig Jahr spätere Norddeutsche Bund warf seine 
Schatten voraus. So kam es zu Verhandlungen zwischen den durch 
alte Erbverbrüderung verbundenen Kurhäusern Brandenburg, Hessen und 
Sachsen, die in Anlehnung an die Reichsverfassung eine föderative Or 
ganisation von ganz Norddeutschland bezweckten. Sämtliche Bundes 
lande sollten in drei Kreise, den brandenburgischen, sächsischen und 
hessischen eingeteilt werden, deren Leiter zusammen das Direktorium des 
Bundes bildeten. Der hessische Kreis umfaßte nach dem Organi 
sationsplan außer dem zum Königreich (ebenso wie Sachsen) erhobenen 
Hessenlande das Fürstentum Fulda, sowie die unter hessische Landes 
hoheit fallenden Grafschaften Waldeck, Lippe-Detmold, Lippe-Schaum 
burg, Schlitz, Pyrmont, Rittberg und Rheda. Das Oberhaupt des 
Bundes, der König von Preußen, sollte den Kaisertitel annehmen. 
Waitz, der die Verhandlungen in Berlin führte, bemühte sich sehr um 
das Zustandekommen dieses Projektes. Der Kurfürst aber, obwohl ihm 
wieder mal eine Königskrone winkte, hatte mancherlei Bedenken. Der 
ganze Plan des Nordbundes hatte ihm zu viel Ähnlichkeit mit dem 
Rheinbund, und er verhehlte sich nicht, daß die in Aussicht gestellte 
Königskrone doch nur einen dekorativen Charakter haben würde. Er 
wollte sich weder an Napoleon noch an Preußen mit Haut und Haaren 
verschreiben, um so mehr als der politische Horizont sich von neuem ver 
dunkelte. 
Zn Berlin hatte endlich die Kriegspartei die Oberhand bekommen. 
Am 15. August 1806 traf die Nachricht in Cassel ein, daß Preußen 
mobilisiere. Zn Hessen glaubte man nicht recht an den Ernst der Situ 
ation. Der Kurfürst hielt alles „für Demonstration", ließ aber doch 
seinen Sohn von Hanau kommen und sing an zu rüsten. Trotz alles 
Drängens von preußischer Seite konnte er sich nicht entschließen, für 
Preußen offen Partei zu ergreifen, zumal er nicht ohne Grund fürchtete, 
daß Hessen dann den ersten Ansturm des Feindes aushalten und den 
Schauplatz des Krieges hergeben müsse. Darum nahm er auch das 
angebotene Kommando über die preußische Armee in Hannover und 
Westfalen nicht an und weigerte sich deren beiden Korps unter Rüche! 
und Blücher den Durchzug durch Hessen zu gewähren. Die hessischen 
Truppen wurden am 24. September in der Gegend von Wabern zum 
Schutze der Neutralität zusammengezogen und dem französischen Ge 
sandten erklärt, daß Hessen die Partei, die seine Neutralität verletze,
	        

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