Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Rückmarsch der Truppe» Die Casselaner in Berlin 
stellenweise die Heimkehrenden empfing, wenig angebracht. Die Zeiten 
waren vorbei, wo es in Hessen für eine Schande galt, zu denen zu 
gehören, die „Wern verspielen" halfen. 
Am 6. September wagte Loßberg in dürren Worten dem Kur 
fürsten ben Vollzug des Rückmarsches zu melden in dem einzigen Be 
richt, den der Kurfürst in Stettin von dem erhielt, dem er die Führung 
und die Ehre seiner Truppen anvertraut hatte. Zuletzt kehrte das zweite 
Husarenregiment, das allein tätig ani Feldzug teilgenommen hatte, nach 
Cassel zurück. Es hatte zuletzt an der Donau bei Ulm gelegen im 
Verein mit den Rassaliern, deren Herzog damals mit herzlichen Worten 
von seinen Soldaten schied: „Ihr habt mir treu und gut mit Mut und 
Ausdauer gedient. Ihr habt gezeigt, daß Ihr Euer Väter wert seid. 
Der Gedanke hält mich aufrecht, daß es noch nie eine Schande gewesen, 
von einem «Stärkeren besiegt zu werden — eine Schande kann es nur 
sein, wenn man sich in der Überzeugung seines guten Rechtes alis Furcht 
vor dem Stärkeren nicht wehrt." Der Kurfürst von Hessen konnte leider 
nicht solche Worte an seine Armee richten, die nach einer langen ehren 
vollen Geschichte ein trauriges rühmloses Ende fand. 
Loßbergs „löbliche Unterwerfung" unter den Willen des Siegers sollte 
auch in den bürgerlichen Kreisen der Hauptstadt ein Gegenstück finden. 
Bereits am 22. August hielten es die städtischen Behörden von Cassel 
für angezeigt, eine Deputation aus ihrer Mitte mit dem Oberbürger 
meister Nebelthau ander Spitze nach Berlin zu senden, um dem ver 
trauensvollen Entgegenkommen der hauptstädtischen Bevölkerung Aus 
druck zu geben und dem preußischen Könige besonders die Interessen 
der Stadt Cassel warm ans Herz zu legen. Die Abgesandten wurden 
von Bismarck und am 27. August auch vom Könige empfangen, der 
seine Überraschung, die Herren schon so frühe bei sich zu sehen, nicht 
unterdrücken konnte, aber durch sein leutseliges Wesen und durch das 
Versprechen, der Stadt die Prärogative einer Residenz zu belassen, die 
zukünftigen Untertanen hochbeglückte. Dieser von weiten Kreisen in 
Cassel und Hessen scharf mißbilligte Schritt war schließlich noch erklär 
lich durch die Sorgen einer Bourgeoisie, die durch den Abgang des 
reichen kurfürstlichen .Hofes ihren Geldbeutel bedroht sah und zum Ersatz 
dafür durch ihre voreilige Unterwürfigkeit wenigstens eine preußische 
prinzliche Hofverwaltung zu erlangen hoffte, die Bismarck auch Oetker 
schon halb und halb in Aussicht gestellt hatte. Ganz unbegreiflich und 
unentschuldbar war aber das Verhalten einer Anzahl von Ständemit 
gliedern, die angesichts der preußischen Landtagsverhandlungen über die
	        

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