Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Bundesabstimmung 14. Juni 
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Hofe, der den erkrankten Bundestagsgesandten v. Hesberg vertrat, be 
gründete das kurhessische Votum damit, daß angesichts der Gefahr des 
Bundesfriedensbruchs der Bund durch Entfaltung aller seiner Machtmittel 
in die Lage gebracht werden müsse, ein wirksames Gewicht in die noch 
schwankende Wagschale zu legen, um sein Friedenswahreramt zu üben.') 
Der auf diese Entscheidung nicht gefaßte preußische Gesandte v. Savigny 
sein Sohn des ehemaligen berühmten Marburger Juristen) kramte erst 
verlegen in seinen Papieren und fand dann keine bessere Antwort, als 
zu behaupten, die Abstimmung sei eine nach dem Bundesrecht unmög 
liche Kriegserklärung gegen Preußen, das infolgedessen den Bundes 
vertrag als erloschen ansehe; er war aber dann sofort mit der Ein 
ladung zu einem neuen, den Zeitoerhältnissen entsprechenden Bunde bei 
der Hand, den Preußen mit denjenigen Regierungen schließen wolle, 
die ihm dazu die Hand reichen würden. In scharfer Verwahrung ant 
wortete der österreichische Präsidialgesandte aus diese Erklärung, daß 
nach der Wiener Schlußakte kein Mitglied des Bundes das Recht 
habe, aus diesem unauflöslichen Verein auszutreten, der vielmehr in 
vollkommen bindender Kraft fortbestehe. Die Bundesversammlung schloß 
sich diesem Protest an. 
Der lang erwartete Bundesbruch Preußens war nun endlich da, 
und gegenüber dieser neuen Sachlage gab es eigentlich nur eine einzige 
Konsequenz, nämlich schnelles und entschlossenes Handeln. Schnelligkeit 
und Entschlossenheit waren aber nur bei Preußen, nicht bei seinen bundes 
staatlichen Gegnern vorhanden, und ganz besonders mangelten sie in 
Kurhessen. Wenigstens der Mobilmachungsbefehl hätte sofort verkündet 
und ausgeführt werden müssen. Kurfürst Friedrich Wilhelm dachte 
aber noch immer nicht daran, eine wirklich feindselige Haltung gegen 
Preußen einzunehmen, nur seine Bundespflicht wollte er erfüllen. Zu 
seiner gewöhnlichen langsamen Entschlußfähigkeit kam noch der Umstand, 
daß seine Berater, die ihm den bisher eingeschlagenen Weg gewiesen 
*) Kurhessen lehnte übrigens auch die beiden letzten Paragraphen des Antrags 
ab, die sich auf die Ernennung des Oberbefehlshabers und die Durchführung des 
Beschlusses durch die Bundesmilitärkommission bezogen. Ab6e hatte auch diese 
Paragraphen annehmen wollen, wie sich eigentlich von selbst verstand, der Kurfürst 
wies sie aber am 13. Juni zurück mit der charakteristischen Randbemerkung: „pos. 4 
und 5 kann nur »ach Anhören des Beklagten genehmigt werden, und müßte wegen 
dieser Positionen die Sache erst an den Ausschuß verwiesen werden." So wenig 
dachte er ernstlich an Krieg gegen Preußen, das durch das Auftreteir des Bundes 
nur gewarnt werden sollte. Abäe riet zur Annahme des Antrags hauptsächlich 
deswegen, um endlich einen guten Grund zur Mobilisierung zu haben. 
Losch, Geschichte des Kurfürstentum» Hessen. 
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