Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Meding in Cassel Graf Paar Mission Wimpffen 
schlage, die ohne völligen Bruch der deutschen Bundesverfassung *) ganz 
unannehmbar waren, wurden von dem Kurfürsten abgelehnt, so sehr 
sich auch Herr v. Röder bemühte, ihm zu beweisen, daß die Bundes 
verfassung, auf die sich der Kurfürst berief, bald nur ein wertloser Fetzen 
Papier sein werde. Der König Georg von Hannover schien eher 
geneigt, aus Gründen der Staatsraison auf den preußischen Neutralitäts 
vorschlag einzugehen, wie aus einem Briefe vom 16. Mai hervorging, 
den der Regierungsrat M e d i n g (der später in Bismarcks Sold stehende 
Romanschreiber Gregor Samarow) am 18. in einer Audienz dem Kur 
fürsten überreichte. Fn seiner Antwort vom 19. konnte der Kurfürst nur 
seinen starken Zweifel aussprechen, daß Preußen seinen Nachbarn wirk 
lich eine strikte Neutralität bewilligen werde, was Röders Zumutungen 
ja auch durchaus bestätigten. 
Das Auftreten des preußischen Gesandten, der zu deutlich durch 
blicken ließ, daß man Kurhessen völlig als preußische Domäne be 
trachtete, hatte nur die Wirkung, den Kurfürsten zu verstimmen und 
ihn der von dem k. k. Gesandten Grafen Paar geschickter vertretenen 
österreichischen Ansicht geneigter zu machen. Während Röder dem Mi 
nister Abee eine heftige Szene wegen der Entlassung des Kriegsministers 
v. Ende") machte und dem Prinzen Wilhelm von Hanau wegen an 
geblich gezeigter österreichischer Sympathien einen unfreundlichen Brief 
schrieb, konnte Graf Paar dem Kurfürsten mitteilen, daß Otto v. Scholley, 
der älteste Sohn der Fürstin von Hanau, vom Kaiser zum Komman 
deur seiner Franz Joseph-Ulanen ernannt worden sei. 
Trotzdem so, wie Graf Bondy behauptete, die antipreußische Stim 
mung in Cassel im Zunehmen war, dachte der Kurfürst nicht im ent 
ferntesten daran, sich etwa Österreich in die Arme zu werfen. Das zeigte 
der geringe Erfolg der Sendung des k. k. Obersten v. Wimpffen, 
der am 22. Mai mit einem kaiserlichen Handschreiben in Cassel eintraf. 
Der offizielle Vorwand seines Kommens war, die Erlaubnis des Durch 
marsches der österreichischen Brigade Kalik aus Holstein durch Hessen 
zu bewirken: daneben sollte aber Wimpffen überhaupt das politische 
Terrain in Cassel sondieren und dem Kurfürsten namentlich empfehlen, 
') Deren § 11 lautete: „Die Bundesglieder verpflichten sich, in keine Verbin 
dungen einzugehen, welche gegen die Sicherheit de» Bundes oder einzelner Bundes 
staaten gerichtet wären." 
s ) Sie erfolgte am 16. Mai, angeblich wegen zu deutlich bekundeter Preußen- 
freundschaft des Kriegsministers, was sehr unwahrscheinlich ist, da sein Nachfolger 
nicht anders gesinnt war. (Bondys Bericht vom 22. Mai 1866.)
	        

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