Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

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Kurhessen vor der Entscheidung 
letzte Verleihung dieses Ordens vor dem Ende Kurhessens an seinen 
Zerstörer, die uns jetzt wie eine Ironie der Weltgeschichte vorkommt?) 
Eine preußische Dekorierung des Prinzen Moritz von Hanau bestätigte das 
gute Verhältnis, das damals zwischen beiden Höfen und Regierungen 
herrschte und auch in der Entsendung des hessischen Thronfolgers zu 
den preußischen Herbstmanövern 1865 zum Ausdruck kam. Der den 
Prinzen Friedrich Wilhelm begleitende kurhessischc Generalstabs 
chef v. Meyerfeld, der spätere letzte Kriegsminister, galt als ein be 
sonderer Freund des seit Oktober 1864 in Cassel akkreditierten preußi 
schen Gesandteil Generalmajors v. Röder unb gehörte zu den eifrigsten 
Wortführern der Preußenfreundschaft, die ja im kurhessischen Offiziers 
korps schon durch seine bisherige militärische Überlieferung besonders 
zahlreiche Vertreter hatte. 
Fm Gegensatz zu den meisten übrigen deutschen Regierungen war 
die kurhessische Politik in der Frage der Elbherzogtümer bisher im 
Schlepptau der beiden Großmächte gewesen. Als diese sich trennten, 
mußte Kurhessen sich entscheiden, welchen Weg es nun nehmen sollte. 
Der Kurfürst war geneigt, weiterhin soweit als irgendmöglich mit Preußen 
zu gehen; insbesondere würde Preußen bei einem Überfall durch Öster 
reich Hessen in alter Waffenbrüderschaft gewiß auf seiner Seite gefunden 
haben. Die preußische Politik mit ihrer Bedrohung der Bundesverfassung 
machte das aber unmöglich. Schon früher hatte Vilmar in der von 
dem Kurfürsten regelmäßig gelesenen „Hessenzeitung" geschrieben: „Der 
Punkt, auf welchen unsere politische Magnetnadel unausweichlich hin 
weist, ist, unsere Stellung da zu nehmen, wo wir voraussichtlich am 
meisten gegen die Annexion geschützt sind." Von Österreich, das nach 
unsicherem Schwankeil den in Gemeinschaft mit Preußen eingeschlagenen 
Weg der Eigennlächtigkeit endlich verlassen hatte und zur Regelung der 
schleswig-holsteinischen Frage auf den Boden des Bundesrechts zurück 
gekehrt war, war in dieser Hinsicht nichts zu fürchten, um so mehr 
von dem annexionslüsternen Preußen. Eine Annexion der Elbherzog 
tümer bedrohte aber in erster Linie auch die beiden zwischen den preu 
ßischen Staatshälften liegenden Länder Hannover und Kurhesseil, denen 
ein gleiches Schicksal schon oft in preußischen Blättern vorausgesagt 
y Bon Gastein aus sandte Bismarck am 6. August dem Kurfürsten seinen 
Dank für die ehrenvolle Auszeichnung mit der Versicherung: „daß ich mich glück 
lich schätzen werde, im Dienste des Königs, meines allergnädigsten Herrn, zur Be 
festigung der zwischen Sr. Majestät und Ew. König!. Hoheit bestehenden freund 
schaftlichen Beziehungen beitragen zu können".
	        

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