Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Bismarcks Programm Der schleswig-holsteinsche Konflikt 
377 
gemacht, und seine Versicherung, Gesamtdeutschland zu sprengen, nur 
Norddeutschland zu unterwerfen, den Süden aber (die „deutschen Kala 
breser", wie der ostelbische Junker mit wegwerfender Geringschätzung 
sich ausdrückte) seinem Schicksal überlassen zu wollen, mußte dem Im 
perator an der Seine wie Honigseim munden. 
Daß das unglückliche Gasteiner Abkommen über die vorläufige 
Teilung von Schleswig-Holstein nicht von langer Dauer sein konnte, 
verstand sich von selbst, da sehr bald klar wurde, daß die Hochherzigkeit 
eines Philipps des Großmütigen, der Württemberg eroberte, tim es 
seinem rechtmäßigen Herren zurückzugeben, wenigstens der preußischen 
Politik fremd war. Mit brutaler plattdeutscher Deutlichkeit hatte Bis 
marck, der längst wie in Hessen und Hannover so auch in den Herzog- 
tümern Verbindungen mit Landesverrätern unterhielt, dein Herzog 
Friedrich erklärt: man könne dem Küken, das man ausgebrütet 
hake, ja auch den Hals wieder rum drehen, und während die Öster 
reicher in Holstein das Regiment in bundestreuem, die Selbständigkeit 
des Landes achtendem Sinne führten, durften in Schleswig unter der 
eisernen Fuchtel Manteuffels die Anhänger des Herzogs den Mund 
nicht ausmachen und konnten nur heimlich die zeitgemäße Variation ihres 
Vaterlandsliedes singen: Schleswig-Holstein stammverwandt, Werst die 
Preußen aus dem Land! Ja, ohne damals ahnen zu können, daß die 
Tochter des Prätendenten einmal den preußischen Königsthron teilen 
werde, mußten dienstbeflissene Genealogen sogar die augusteickurgische 
Ahnentafel durchschnüffeln, um triumphierend nachweisen zu können, 
daß Herzog Friedrich, der Urenkel des auf dem Schaffst gestorbenen 
Struensee, gar kein richtig blaues Blut in den Adern habe und infolge 
dessen zur Thronfolge nicht fähig sei. 
Die Begünstigung der „revolutionären und jedem Throne feind 
lichen Tendenzen unter dem Schutze des österreichischen Doppeladlers" — 
so kennzeichnete eine preußische Note die dem Augustenburger wohl 
wollende Politik Österreichs — gab den willkommenen Vorwand zum 
Streite. Im preußischen Kronrate vom 28. Februar hatte Bismarck 
seinen König so weit „über den Graben" gebracht, daß der Krieg be 
schlossen wurde, den der König, „nachdem er Gott gebeten, ihm den 
rechten Weg zu zeigen", für einen „gerechten" hielt, während nur sein 
Sohn, der Kronprinz, von dem Bruderkriege nichts wissen wollte. Da 
aber der Generalstabschef Moltke als unerläßliche Vorbedingung für 
einen sichern Erfolg die Hilfe Italiens forderte, so wurden zunächst die 
schon vorher begonnenen Verhandlungen mit der kongenialen Regierung
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.