Full text: Geschichte des Kurfürstentums Hessen

Bernadotte in Cassel. Krieg von 1805. 
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Kleidung Verwendung gefunden zu haben. Sie führten Hunde an Seile 
gebunden mit sich, einer trug sogar einen Affen mit sich herum, der vom 
Tornister heruntergrinste. Zusammengerafft, unsauber schien alles - Gleich 
mäßigkeit war nur in ihrem leichteren, anders geformten Gewehr und 
dem kleinen dreieckigen Hut mit der Kokarde in den Nationalfarben." 
Daß diese unruhige, schnatternde Gesellschaft gar bald als Sieger wieder 
kommen und die stolzen Grenadiere ihre Waffen vor ihnen strecken 
würden, ahnte damals wohl noch niemand. Hoch zu Roß vor dem alten 
Landgrafenschlosse empfing der Kurfürst den Marschall Bernadotte. Bei 
der Begrüßung bäumte der Schimmel des späteren Königs von Schweden 
und warf seinen Reiter vom Sattel dem Kurfürsten zu Füßen. „Ein 
gutes Oinen, für den Fall, daß die Zrsnüe nstivn es einmal wagen 
wird, Hessen anzugreifen", meinte der Bruder Wilhelms, der Landgraf 
Carl, der von Schleswig aus mit besorgtem Blick den hessischen „Vor 
posten" gegen Frankreich beobachtete und dem Kurfürsten öfters War 
nungen schickte. Der Durchzug der Franzosen, die nach Süden zogen 
und in der Folge mit Gewalt sich den Marsch durch das preußische 
Gebiet von Ansbach und Bayreuth erzwangen, war ein Schreckschuß, 
der die lauer gewordenen Beziehungen Hessens zu Preußen wieder mehr 
befestigte. Man betrachtete ja in Berlin tatsächlich Kurhessen als den 
Vorposten Preußens, und als solchen fühlte sich der Kurfürst auch. In 
zwischen hatte der Krieg Frankreichs mit Österreich begonnen, und mit 
brennendem Herzen wünschte der Kurfürst, daß Preußen endlich der 
Koalition gegen Napoleon beitrete. Als der Berliner Wutschrei über die 
erschossenen Husaren im Ansbachischen endlich die Hoffnung gab, daß 
man der alten Kaisermacht zu Hilfe kommen wollte, da jubelte 
Wilhelm und gab sofort den Befehl zur Mobilmachung in Hessen. Aber 
die Katastrophe von Ulm mit der Kapitulation der österreichischen Armee 
unter Mack fiel wie ein Mehltaü auf die Hoffnungen der deutschen 
Patrioten, und resigniert stöhnte der Kurfürst in seinem Tagebuch: 
„Gott! welch ein Glück hat der abscheuliche Bonaparte!" Mit der 
größten Besorgnis erfuhr er bald darauf die Nachricht von der schon 
vor sechs Zähren geahnten Besetzung Hannovers durch Preußen, die 
den Umschwung des Berliner Kabinetts zugunsten der Franzosen vor 
bereitete. Der Besuch des Kaisers Alexander von Rußland in Berlin 
init der pathetischen Schwurszene am Sarge Friedrichs des Großen 
schien den Dingen wieder eine andere Wendung geben zu wollen. Die 
preußischen Rüstungen gegen Napoleon wurden fortgesetzt und der Kur 
fürst zum Oberbefehlshaber einer kombinierten preußisch-hessischen Armee
	        

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